Zeitenwende in Bayern

Junge Freiheit

Das Wahldesaster hat die CSU sich selbst verdient. Es ist ein Absturz mit Ansage. Wer von zahllosen Gelegenheiten, das Ruder nochmal herumzureißen, wirklich jede verstreichen läßt, der braucht sich nicht zu beschweren, wenn er für seine Feigheit und Wankelmütigkeit abgestraft wird.

Für die AfD ist es Landtag Nummer 15 in Serie. Und das zweistellig, in einem großen westdeutschen Flächenland, das eine Staatspartei in Erbpacht zu bewirtschaften schien – deutlicher läßt sich die sich abzeichnende Zeitenwende nicht beschreiben. Die politische Tektonik hat sich verschoben, die Zeit der Volksparteien läuft ab. Für eine schwarz-rote „GroKo“ reicht es auch in Bayern nicht mehr.

Die Versatzstücke für die linke und großkoalitionäre Legendenbildung liegen schon fertig in der Schublade: Die CSU habe verloren, weil sie an der Kanzlerin gezweifelt, Streit über ihre grenzenlose Einwanderungspolitik angezettelt und „auf AfD-Kurs“ gegangen sei.

Wer sich an Merkel kettet, stürzt mit ihr ab

Das Gegenteil ist richtig. Die CSU hat ihre Sonderposition in der deutschen Parteienlandschaft verspielt und vertan, weil sie auf allen Hochzeiten tanzen wollte. Die „Herrschaft des Unrechts“ benennen, aber bis zuletzt mittragen, das rächt sich. Wer sich an Merkel kettet, stürzt mit ihr ab.

Wenn die Union am Abgrund steht, ist die SPD schon einen großen Schritt weiter. Von der AfD überholt, Ergebnis halbiert, demnächst einstellig im Sinkflug auf die Fünf-Prozent-Hürde – das Menetekel aus Bayern dröhnt bis nach Berlin. Eine SPD als linke Ideologensekte, die die kleinen Leute mit den Folgen gesellschaftlicher Wahnsinnsprojekte von Massenzuwanderung über Energiewende bis Anti-Auto-Kreuzzug allein läßt, braucht eben kaum jemand.

Heilender Blick nach Baden-Württemberg

Darum kümmern sich ja schon die Grünen. Fast ein Fünftel der Stimmen für die Klientelpartei der Latte-Macchiato-Bourgeoisie – das verrät vor allem eines: In Bayern geht es offenbar so manchen schlicht zu gut. Ließe man die Grünen an die Regierung, wie seit Wochen und Monaten herbeigeschrieben, könnte sich das schnell ändern. Bei den Nachbarn in Baden-Württemberg können sich die Bayern ja erkundigen, wie es sich anfühlt, wenn das Schulsystem abstürzt und die Wirtschaft zurückfällt.

So weit muß es allerdings nicht kommen. Bayern ist ein konservatives Land, auch das zeigt dieser Wahlausgang – zwei von drei Wählern haben sich eben nicht für eine linke Partei entschieden. Das Spektrum differenziert sich aus und wird ehrlicher. Als freiheitlich-konservative Kraft, die einer – wahrscheinlichen – Landesregierung aus CSU und Freien Wählern im Nacken sitzt, hat die AfD es in der Hand, in Bayern eine politische Wende anzustoßen. Überfällig wäre sie.

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