Netto-Vermögen: IWF listet Deutschland noch hinter Uganda ein

Junge Freiheit

NUSA DUA. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognose für Deutschland deutlich gesenkt. Die deutsche Wirtschaft werde im laufenden und im kommenden Jahr um 1,9 Prozent wachsen. Das sind 0,8 Prozentpunkte weniger als noch im April prognostiziert, berichtete die Nachrichtenagentur dpa.

„Die Vorhersage war überoptimistisch“, sagte der scheidende IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld bei der Vorstellung des Weltwirtschaftsberichts im indonesischen Nusa Dua. Weltweit werde die Wirtschaft in den beiden Jahren um 3,7 Prozent wachsen. Der Währungsfonds forderte die Bundesregierung erneut auf, vor allem mehr in die Infrastruktur zu investieren, um den hohen Handelsüberschuß auszubalancieren.

Deutscher Staat lebe über seine Verhältnisse

Wie die Welt analysierte, lebt der deutsche Staat über seine Verhältnisse hinaus. Der IWF hat demnach in einem neuen Vergleichsverfahren die tatsächlichen Staatsbilanzen für 31 Volkswirtschaften ermittelt, die fast zwei Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung abdecken.

Deutschland liege damit unter den sieben schwächsten Staaten der Erhebung – hinter Uganda und Kenia. Das Schlußlicht bilde Portugal. Hintergrund: Das deutsche Netto-Vermögen sei auch bei Berücksichtigung allen Besitzes negativ. Die Verschuldung betrage 19,5 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Schwellenländer unter Druck

Der IWF-Direktor für Geld- und Kapitalmärkte, Tobias Adrian, erklärte das Problem für Industrieländer anhand des Schuldenstands vor allem außerhalb des Bankensektors. „Das Niveau an Schulden, die Haushalte, Unternehmen und Staaten halten, ist hoch und es steigt weiter.“ Entwicklungs- und Schwellenländer rief er dazu auf, finanzielle Puffer zu bilden, um Risiken wie einen starken Dollar und schnell anziehende Zinsen abzufedern.

Dem Handelsblatt zufolge könnte der Druck auf die Schwellenländer auch zu einer Gefahr für das gesamte Finanzsystem werden. Neben der Türkei, die mit akuten Problemen kämpfe, habe der Weltwährungsfonds bereits Argentinien mit 50 Milliarden Dollar unter die Arme greifen müssen. Zudem wolle auch Pakistan um einen Milliardenkredit bitten. (ls)

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