Linke Unterwanderung einst konservativer ZeitungenEnteignet Springer!

Man hat Welt und Welt am Sonntag weiland als „Kampfblätter“ der Springer-Presse bezeichnet. Das war nicht wohlwollend gemeint. Aber es traf doch den Kern der Sache insofern, als die beiden Zeitungen – Auflagenschwund hin oder her – für einen bestimmten Wertekanon einzutreten hatten. Der war vom Gründer des Springer-Konzerns – dem Verleger Axel Cäsar Springer – formuliert worden und eng mit seiner Person verbunden. Was erklärt, warum er nach Springers Tod nicht einfach aufrechterhalten wurde. Allerdings haben nur wenige damit gerechnet, daß sich das, was eben noch galt, in sein Gegenteil verkehren sollte.

Springers Zeitungen, einst der publizistische Hauptfeind der Achtundsechziger, verstehen sich heute als Sprachrohr von Ideen, die die linken Kulturkrieger in den vergangenen Jahrzehnten Stück für Stück durchgesetzt haben. Wer eine Ausgabe aufschlägt, den wundern weder die Empfehlungen für den Seitensprung noch der penetrante Feminismus, weder die Propaganda zu Gunsten der Gesamtschule noch die Klischees der Vergangenheitsbewältigung.

Allerdings bedeutet Deniz Yücels aktuelles Bekenntnis zum „Antifaschismus“ doch ein Novum. Sicher findet seine Auffassung, daß „Antifaschismus … kein Fall für die Polizei, sondern demokratische Selbstverständlichkeit“ ist, heute Zustimmung bis in die Reihen von CDU und CSU. Aber dasselbe gilt nicht für den Generalverdacht gegen ein „konservativ-liberales Milieu“, in dem angeblich „die Übergänge zur extremen Rechten mitunter fließend sind“, oder für die Behauptung, daß „sich die Mitte, von Ausnahmen abgesehen, eher mit dem Faschismus arrangiert, anstatt diesen zu bekämpfen“. Solche ideologischen Versatzstücke waren sicher für Yücels vormalige Arbeitgeber – Jungle World und taz – Selbstverständlichkeiten, aber nicht für ein immer noch als bürgerlich geltendes Blatt.

Den Kampf gegen das absolute Böse auch bei uns führen

Eine denkbare Erklärung für Yücels Vorstoß ist, daß er den Zeitgeist auf seiner Seite glaubt und sicher auf Sympathisanten in der Redaktion zählt. Vielleicht kommt das Bekenntnis zum Antifaschismus noch nicht jedem über die Lippen. Aber, was den Antirassismus betrifft, ist man angesichts der Entwicklung in den USA vollkommen einig.

Mehr noch, Yücels Kollege Jacques Schuster meint, man müsse den Kampf gegen das absolute Böse auch vor Ort führen. Denn – weiße – Deutsche hätten keinen Grund, die Nase über – weiße – Amerikaner zu rümpfen: „Unsere Schwarzen sind die Türken, gefolgt von Arabern, Rumänen und Bulgaren“, denen man Probleme bei der Wohnungssuche bereitet und die zu Unrecht unter Generalverdacht gestellt werden, wenn es um Organisierte Kriminalität geht. Schusters Eideshelfer sind Gustav Heinemann und Theodor Adorno, und es fehlt auch nicht der obligate Hinweis auf den inneren Zusammenhang von Fremdenhaß und Antisemitismus.

Selbstverständlich geht es bei alldem nicht nur um die Feststellung des Ist-Zustandes, sondern auch um ein Programm, das Abhilfe schaffen soll. Wie das auszusehen hat, ist einem Interview der Welt mit der Grünen-Politikerin Aminata Touré zu entnehmen. Der devote Ton und das völlige Ausbleiben kritischer Nachfragen können im Grunde nur als Zustimmung der Redaktion zu den Auffassungen Tourés gedeutet werden. Sie verfügt nicht nur über die Kompetenz der Betroffenen – ihre Vorfahren stammen aus Mali –, sondern verlangt auch, Rassismus zu „entlernen“. Das sei aber nur möglich, wenn man noch viel mehr Geld und noch viel mehr Posten für alle möglichen Dienststellen und Nichtregierungsorganisationen zur Verfügung stelle, um der Mehrheitsgesellschaft ihre fatalen Neigungen auszutreiben.

Ein prophetischer Text von Irenäus Eibl-Eibesfeldt

Selbst wenn man im Hause Springer von der Wünschbarkeit solchen Vorgehens überzeugt ist, sollte man doch – journalistische Seriosität vorausgesetzt – die Erreichbarkeit des Ziels erwägen. Wen die dazu nötige intellektuelle Anstrengung überfordert, der könnte es sich ganz einfach machen und einen Blick ins eigene Archiv werfen. Was allerdings zu erheblichen Zweifeln an der Realisierung der antifaschistisch-antirassistischen Traumwelt führen dürfte. Nicht weil es von Faschisten und Rassisten wimmelt und alle außer Yücel, Schuster, Touré und ihrer community so unbußfertig und dumm und böse sind, sondern weil dem Ziel einer „farbenblinden“ Gesellschaft schlicht entgegensteht, was man das Wesen des Menschen nennt.

Das dämmerte schon Thomas Schmid – einst APO, dann Springer-Journalist, Chefredakteur der Welt, schließlich Herausgeber der „Welt-Gruppe“ von 2010 bis 2014 –, der schon vor zwanzig Jahren festhielt: „Wir werden die multikulturelle Gesellschaft werden, die man rechts befürchtet hat. Und sie wird überhaupt nicht so aussehen, wie man sich links erhofft hat.“ (Leitartikel „Die multikulturelle Gesellschaft“, in: Die Welt vom 26. Februar 2000).

Und dann wäre da noch der prophetische Text des Ethologen Irenäus Eibl-Eibesfeldt über die „Chancen einer multiethnischen Gesellschaft“. Er beurteilte sie schon 1989 äußerst skeptisch und hatte dafür gute Gründe. Seiner Meinung nach zeigten die Erfahrungen in den USA wie in Frankreich oder Großbritannien, daß eine „bunte“ Einwohnerschaft faktisch dazu führt, die Gesellschaft zu spalten und daß dem mit keiner Pädagogik beizukommen ist, da hier bestimmte anthropologische Faktoren ins Spiel kommen, die sich nicht abschaffen lassen, weder durch Überredung noch durch Zwang:

Ohne eine ethnozentrische Einstellung wäre keiner von uns auf der Welt

„Man muß damit rechnen, daß archaische Muster territorialer Abwehr … aktiviert werden … Jede Gruppe wird bestrebt sein, ihre Eigeninteressen zu vertreten. Ohne diese ethnozentrisch-nepotistische Einstellung wäre keiner von uns auf dieser Welt. Reaktionen dieser Art sind nicht das Ergebnis rechtsradikaler Demagogenarbeit. Hier handelt es sich um alte archaische Verhaltensmuster, die ihre Funktion erfüllten und es vielleicht sogar auch heute noch tun, denn wer seine eigene genetische Verdrängung akzeptiert, redet in den folgenden Generationen nicht mehr mit. Wir können sicher bewußt gegen die uns angeborenen Verhaltensprogramme handeln. Aber dann müssen wir damit rechnen, daß wir uns damit eventuell auch aus der Evolution verabschieden.“ („Chancen einer multiethnischen Gesellschaft aus der Sicht eines Ethologen“, in: Welt am Sonntag vom 10. Dezember 1989)

 

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