Knight of the Old Republic II:The Sith Lords – Das beste Star-Wars-RPG aller Zeiten –

 Gastbeitrag von Grim Kitten

Eine ferne Galaxie, fremde Welten, ein sternenumspannender Krieg, Lichtschwertduelle, eine untergegangene Zivilisation, Charaktere die einen ans Herz wachsen und einen Handlungstwist, den es seit Das Imperium schlägt zurück nicht mehr gegeben hat.

Als 2003 Lucasart, zusammen mit dem Spieleentwickler Bioware, das erste Knights of the Old Republic auf den Markt brachten, ahnte sicher keiner von ihnen, was für einen Kult sie auslösten. KOTOR wird bis heute als eines der einflussreichsten Spiele im Star Wars Universum betrachtet, das ohne Probleme mit den Filmen in Sachen Handlung und Inszenierung mitziehen konnte.

Dementsprechend hätte jede Fortsetzung ein schweres Erbe zu tragen, um an die Qualitäten des Vorgängers heranzukommen.
Und diese Herausforderung haben die Spieleentwickler von Obsidian, trotz des enormen Zeitdrucks und der verfrühten Veröffentlichung, beinahe zur Gänze gemeistert. Auch wenn die Fortsetzung zahlreiche Mängel vorweist, wie Bugs, Grafikfehler und offene Handlungsstränge.

Die Handlung:

Fünf Jahre sind seit dem ersten Teil vergangen und die Galaxie steht kurz davor in Anarchie und Chaos zu versinken.
Denn obwohl die Republik das Sith-Imperium im letzten Teil besiegen konnte, waren die Verluste an Schiffen, Welten und Leben zu gewaltig gewesen, als dass sie die Ordnung wie bisher weiter aufrechterhalten konnten.
Das hatte zu Folge, dass ganze Systeme sich selbst überlassen wurden und in diesem Machtvakuum machten sich Kriminelle, Verbrecher und Sezessionisten breit.
Und auch der Jedi-Orden erlitt während des Krieges schwerste Verluste.
So haben am Ende des Jedi-Bürgerkrieges nur knapp 100 Jedi-Ritter und Meister überlebt und selbst diese wurden nach Kriegsende von den Überresten des Sith-Imperiums gejagt und ausgelöscht.
Dazu kommt noch, dass die Exchange, ein Verbrechersyndikat, ein gewaltiges Kopfgeld auf die überlebenden Jedi ausgesetzt hat, was den Druck auf die Überlebenden noch erhöhte.
Nachdem nur noch eine Handvoll Jedi übriggeblieben sind, sahen diese sich gezwungen den Orden aufzulösen und gingen in den Untergrund. Der Großteil der galaktischen Bevölkerung trauerte diesem Verlust gar nicht groß nach, da in ihren Augen der Jedi-Orden für die letzten Kriege der vergangenen 50 Jahre verantwortlich war.
Als die Krise ihren Höhepunkt zu erreichen droht, kehrt aus den unbekannten Regionen ein einsamer, vom Orden verstoßener, Jedi-Ritter aus seiner Verbannung zurück…Der Spieler.

Um eines gleich vorneweg zu sagen:

KOTOR II geht einen einzigartigen Weg; so werden wir zum ersten Mal Zeuge, wie eine Star Wars-Galaxis nach einen Sternenkrieg aussieht. Eine Galaxis, die von Wirtschaftsdepressionen, Hungersnöten, Armut, zahllosen Flüchtlingsströmen und marodierenden ehemaligen Soldaten heimgesucht wird und auch bei unseren Helden bzw. Heldin (nach offiziellen Kanon) hat man sich nicht an die gewohnte Norm gehalten.

Denn hier erleben wir nicht die klassische Heldenreise, wo ein junger Niemand aus einfachen Verhältnissen sein großes Abenteuer erlebt, in einen Krieg zieht und am Ende zum großen Helden und Jedi-Ritter wird.
Hier haben wir eher denn klassischen Anti-Helden vor uns, der schon seine Heldenreise hinter sich und mit der Welt abgeschlossen hat und nur langsam und wiederwillig seine Rolle als Retter der Galaxis wieder annimmt. Aber man sollte nicht zu viel erwarten, denn KOTOR II ist kein Spiel für jedermann.

Fast zwei Drittel des Spiels bestehen nur aus reinen Dialogzeilen, wo es schon mal passieren kann, das man sich 10 bis 20 Minuten lang nur mit einem einzigen NPC unterhält. Wer hier auf ein schnelles Action-RPG aus ist, wird schnell sein Interesse verlieren, denn für KOTOR 2 braucht man wirklich einen verdammt langen Geduldsfaden, nicht nur um das Spiel durchzuspielen, sondern auch um es zu verstehen.

Denn die Spieleentwickler von Obsidian haben hier, das mit Abstand moralisch komplexeste und philosophischste Star Wars Spiel auf den Markt gebracht, was es bisher gegeben hat.
Zum ersten Mal werden hier die genauen Unterschiede zwischen den Jedi und den Sith zur Sprache gebracht, der hellen wie auch der dunklen Seite und die Frage, ob die Macht nicht selbst das größte Übel in der Galaxis ist.

 

Dazu noch die Atmosphäre im Spiel:

Selten hat man die Star-Wars-Galaxis so düster, horrorartig und trostlos wahrgenommen wie hier.
Das liegt vor allem an der Grafik des Spiels, wo man sich für düstere, blasse und dunklere Farben entschieden hat, die, kombiniert mit der Spielmusik, die bedrohliche Situation in der man sich, als Spieler, befindet, perfekt wiedergibt.
Denn während man im vorigen Teil noch auf die Unterstützung des Jedi-Ordens und der Republik zählen konnte, erlebt man hier eine einem vollkommene feindselig eingestellte galaktische Bevölkerung, die die Jedi für all die schrecklichen Ereignisse der letzten Jahre verantwortlich macht und nur allzu sehr bereit ist, den Spieler an die Exchange auszuliefern. Zu viel der Geschichte sei hier nicht verraten, da es immer noch zu viele gibt, die das Spiel nicht kennen.

Die Sith Lords

Auch bei der Erschaffung der Antagonisten, merkt man wie viel Herzblut die Macher in das Rollenspiel hineininvestiert haben, um den Spieler etwas originelles, etwas neues, zu bieten.
Den anders als im Vorgänger haben wir es im zweiten Teil nicht mit einem einzelnen übermächtigen Sith-Lord zu tun, der über ein Imperium herrscht, sondern müssen uns mit dem verdorbenen Überresten des einstmaligen Sith-Imperiums rumschlagen, das in Splitterfraktionen aufgeteilt ist, was jeweils von einzelnen Lords angeführt wird, wovon jeder von diesen seine eigene Agenda bzw. Philosophie verfolgt.

Diese Sith-Lords wollen weder über die Galaxis zu herrschen, noch ein weiteres Imperium aufbauen, sondern haben sich nur ein Ziel gesetzt:

Die komplette Vernichtung des Jedi-Ordens. Dementsprechend sind große Schlachten und gewaltige Armeen eine Seltenheit in diesem Spiel.
Im Großen und Ganzen kann man sagen, hier erleben wir hier das letzte verzweifelte Aufbäumen der einstigen Großmächte der Galaxis; die alle gemeinsam zu einem letzten Schlag ausholen. Man spürt deutlich, wie die Nachwehen des letzten Krieges Chaos und Anarchie hinterlassen haben.

Was Gut und Böse, Richtig und Falsch ist, ist, in diesem Spiel, eine Frage des eigenen Standpunktes.

Ist es eigentlich moralisch vertretbar, das Testament eines toten Schrottsammlers zu den eigenen Gunsten zu ändern, auch wenn dessen Hinterlassenschaften sowieso an einen anderen toten Schrottsammler gegangen wären?

Außerdem habe ich nicht sowieso ein Anrecht (auch als ehemaliges Mitglied des Jedi-Ordens) auf dessen Besitz, weil dieser hauptsächlich aus Jedi-Relikten besteht, die der Schrottsammler aus der, im letzten Krieg, zerstörten Jedi-Enklave geplündert hat, die einst mein Zuhause war?

Und kann ich überhaupt noch auf der Seite einer planetare Regierung stehen, die die Plünderung der Jedi-Enklave, wo ich aufgewachsen bin, erst ermöglichte und den Schrottsammlern ermutigt hat, die Toten zu schänden und diese heiligen Räumen zu entweihen, auch wenn diese behaupten, aus Geldgründen, keine andere Wahl gehabt zu haben?

Das sind nur einige der vielen moralischen Dilemmas, mit denen man im Spiel konfrontiert wird. Hier kann man nicht wie im vorherigen Spiel bequemerweise zwischen einer guten und einer bösen Antwort wählen. Jede Entscheidung hat Konsequenzen, die voller Grautöne sind. Klassisches “Gut” und “Böse” ist hier schwer zu finden.

KotOR II ist das erste Star-Wars-Spiel, dass mit dem bekannten Schwarz-Weiß Schema gebrochen hat und zeigt wie moralisch-komplex das von George Lucas erschaffene Universum in Wirklichkeit war.

KOTOR II ist noch ein Relikt aus einer Ära, als das Star Wars Franchise kreative und gute Inhalte herausgebracht hat. Das endete als das Unternehmen an Disney verkauft wurde und mit dem Verlust der kreativen Freiheit auch Kathleen Kennedy feministische „Force-is-Female“-Agenda hinzukam, die das Franchise Stück für Stück in den Ruin treibt.

Ich hege kaum Hoffnungen, dass das Star Wars-Universum jemals wieder die alten Freiheiten oder das Ausmaß an Kreativität wiedererlangen wird, das es in der Vor-Disney-Ära genossen hatte.

So kann man am Schluss nur sagen, das KOTOR II auch ein einsamer Versuch gewesen ist, das Franchise für eine Erwachsenere und reifere Zielgruppe auszurichten, was leider missglückt ist. Das lag jedoch mehr am Publisher und am Veröffentlichungstermin und dem schlechten Marketing.

Trotz alledem gehört Knights of the old Republic II The Sith Lords zu den tiefsinnigsten Werken, neben den Romanwerken von Matthew Stover (Verräter, Die Rache der Sith, Shatterpoint) oder James Luceno Meisterwerk Darth Plagueis, was das Lucasart-Franchise jemals hervorgebracht hatte.

 

Wenn diese ganze Corona-Krise ein Gutes hat, dann, dass man jede Menge Zeit, sich alte Leidenschaften wieder zu widmen.

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