Kommentar zu Arm, aber glücklich? Nein danke! von Sven Lagler

Die “neue Bescheidenheit“ kann ganz automatisch aufgrund einer „erzwungenen Bescheidenheit“ kommen. Neu daran ist, dass dies bejubelt wird. Noch nie in der Geschichte gelang es, den eigenen Abstieg als anzustrebenden Fortschritt zu verkaufen, das hat was.
Dass dabei das bisherige Konzept des Wohlstandes für Alle enden wird, begreifen die Vordenker und deren Anhänger seltsamerweise nicht wirklich, oder akzeptieren dies als notwendigen Kollateralschaden zum Erhalt der Menschheit; unabhängig von der Bevölkerungsexplosion auf anderen Kontinenten. Die Gefahr einer Erosion des Mittelstandes in unseren Breiten ist real.
Der Besitz von Autos, das Fliegen in den Urlaub in ferne Länder, regelmäßige Restaurantbesuche etc. könnte für viele bald der Vergangenheit angehören, ganz abgesehen von qualitativ hochwertiger medizinischer Versorgung. Ist das Endziel der neuen Solidarität eine Gesellschaft wie in China oder bei uns im Biedermaier, wo eine gehobene Mittelschicht komfortabel von vielen Angehörigen einer Dienstbotengesellschaft finanziert wird ?
Auch in Argentinien ist die Mittelschicht abhanden gekommen.
Schuld war nicht der Kapitalismus oder Neoliberalismus, sondern eine Politik die auf Dauer nicht funktionieren konnte.
Aktuell wird der teilweise zwangsgebührenfinanzierte Experte für eh fast alles, Michael Niavarani, in den sozialen Medien für seine Erkenntnis gefeiert, wonach 8 Wochen Stillstand in der Wirtschaft, in der nur das wirklich notwendige gekauft wurde, bereits deren Zusammenbruch verursacht. Sein messerscharfes Fazit: Das kann also nur ein Schei*system sein. Die kleine Frage, worüber sich die Künstler in letzter Zeit so echauffiert haben (nicht notwendig ?), erklärt der Erklärer dabei nicht.
Dass die Geschichte eindeutig zeigt, was dabei herauskommt, wenn ein oberster Rat meint bestimmen zu können was wirklich wichtig ist und was nicht, spielt dabei keine Rolle.