Zehnjähriger vergewaltigt: Flüchtlingshelferin kritisiert Jugendämter

Junge Freiheit

BERLIN. Drei Wochen nach Bekanntwerden der Vergewaltigung eines zehnjährigen Schülers aus Berlin hat die Flüchtlingshelferin eines mutmaßlichen Mittäters schwere Vorwürfe gegen die Jugendämter erhoben. Der elfjährige Afghane sei unter schwierigen Umständen groß geworden, sagte sie der Berliner Zeitung. Dies reiche als Erklärung für die Tat sicherlich nicht aus, sie frage sich aber schon, ob der Junge zum Mittäter geworden wäre, wenn er früher Hilfe bekommen hätte.

Das Jugendamt Marzahn-Hellersdorf habe eine dringend notwendige Traumatherapie in Kombination mit einem Familienhelfer abgelehnt. Beide Maßnahmen zusammen wären zu teuer gewesen, hätten die Mitarbeiter von Jugendamt und Kinder- und Jugendpsychiatrischem Dienst ihre Entscheidung begründet.

Anfang September hatte die Bild-Zeitung über eine Vergewaltigung während einer Klassenfahrt einer Berliner Grundschule kurz vor den Sommerferien in der Uckermark berichtet. Ein zehn Jahre alter Afghane soll einen gleichaltrigen Mitschüler mißbraucht  haben. Zwei Elfjährige aus Afghanistan und Syrien hielten das Opfer dem Bericht zufolge fest. Zwei weitere Schüler sollen dem Treiben zugesehen haben.

Lehrerin beschimpft, sich selbst verletzt

Der elf Jahre alte Afghane war nach Angaben der Flüchtlingshelferin zusammen mit seinem Vater und seinem schwerkranken Bruder vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen. Sie seien zunächst in einer Asylunterkunft in Charlottenburg untergekommen, das kranke Kind in einem Heim. Der Elfjährige habe sehr schnell Deutsch gelernt und für seinen Vater, der Analphabet sei, übersetzt.

Anschließend habe die Familie eine Wohnung im Stadtteil Marzahn-Hellersdorf gestellt bekommen. Der Junge sei auf eine Brennpunktschule in Hellersdorf gewechselt, wo er den Schilderungen der Frau zufolge immer aggressiver wurde. Mehrfach habe er den Klassenraum verlassen müssen, weil er die Lehrerin beschimpfte. Zudem soll er sich selbst Verletzungen zugefügt haben. An der Schule habe er sich dann auch mit dem zehnjährigen Afghanen angefreundet, der später seinen Mitschüler vergewaltigt haben soll.

Ermittlungen wegen Strafunmündigkeit eingestellt

Die Frau betreue den Afghanen nun nicht mehr weiter. Sie könne die Tat selbst nicht richtig verarbeiten. Allerdings wissen sie, daß der Junge dringend Unterstützung brauche. Zwar habe er die Schule gewechselt, psychologische Hilfe bekomme er aber bis heute nicht.

Schon wenige Tage nach Bekanntwerden des Mißbrauchs hatten Polizei und Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen eingestellt, da es sich bei den Verdächtigen um Strafunmündige handele. Der mutmaßliche Haupttäter soll laut Senatsschulverwaltung an keine Regelschule mehr kommen. (ls)

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