SPD-Oberbürgermeister: Es gibt keine Flüchtlingskrise

Junge Freiheit

STUTTGART. Der Oberbürgermeister von Villingen-Schwenningen, Rupert Kubon (SPD), sieht Parallelen zwischen der Vertreibung der Deutschen aus den ehemaligen Ostgebieten und der Masseneinwanderung seit 2015.

„Meine beiden Eltern stammen aus Schlesien. Ihre Erfahrungen von Flucht und Vertreibung sind mir aus Erzählungen sehr präsent“, sagte Kubon der Stuttgarter Zeitung. Dies sei auch der Grund, warum er „über das Thema Flüchtlinge anders rede als andere“. Seine Mutter habe ihm erzählt, „wie sie 1946 nach Lüdenscheid kam und wie sie dort von den Menschen aufgenommen oder besser nicht aufgenommen wurde“.

„Wir haben im Verhältnis zu unserer Größe gerade mal ein paar Menschen aufgenommen“

Es sei „ganz schwierig, keine Heimat zu haben“, in die man zurück könne. „Es gibt kein Haus mehr, kein Möbelstück, vielleicht ein paar alte Fotos und das, was sie auf dem Leib tragen.“ Dies sei genau das, „was Flüchtlinge auch heute erleben“.

Kubon hält die Situation der Flüchtlinge heute aber für beklagenswerter als die seiner Eltern. Denn: „Hinzu kommen noch die traumatischen Erfahrungen der Flucht und jetzt die fehlenden Sprachkenntnisse.“

Seiner Meinung nach haben andere Länder bei der Aufnahme von Flüchtlingen größere Lasten geschultert als Deutschland. „Wir haben im Verhältnis zu unserer Größe gerade mal ein paar Menschen aufgenommen. Wenn Sie das mit der Situation in Jordanien, im Libanon, in der Türkei vergleichen, ist das bei dem Potenzial, das wir hier haben, nicht viel.“ Sein Fazit: „Ich muß das so hart sagen: Jede Behauptung, wir hätten eine Flüchtlingskrise, ist eine Lüge.“

„Krieg“ gegen Menschen im Mittelmeer

Hart ging Kubon auch mit seinem Tübinger Oberbürgermeister-Kollegen Boris Palmer (Grüne) ins Gericht. „Er spricht ja immer sehr pointiert. Aber seine Äußerungen machen Stimmung.“ Außerdem würden sie oft „leicht mißbraucht“. Gerade deshalb „sollte er sich klar dagegen abgrenzen“.

Die derzeitige Flüchtlingspolitik in der EU nannte er „einen Skandal“. Er vermisse humanitäres Wirken. „Das ist ein Krieg, den wir gegen Menschen führen, die im Mittelmeer ertrinken, und ich halte das für völlig inakzeptabel.“ (tb)

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