Aus von Solarworld: Bürger zahlen doppelt

Junge Freiheit

Das einstige Vorzeigeunternehmen der deutschen Energiewende, Solarworld, hat die Produktion eingestellt. Ihm sind die Rohstoffe ausgegangen. Nach Angaben des Insolvenzverwalters des Unternehmens, Christoph Niering, ist es unwahrscheinlich, daß Verhandlungen mit potentiellen Investoren in diesem Monat zu konkreten Ergebnissen führen werden. Die Modulproduktion in Freiberg wurde eingestellt, die Mitarbeiter in eine Transfergesellschaft versetzt.

„Die Verhandlungen können in der zweiten Oktoberhälfte zu konkreten Ergebnissen führen“, sagte Pressesprecher Andre Dobiey. Die Produktion müsse eingestellt werden, da dem Unternehmen die Plattenrohstoffe ausgegangen seien. Der potentielle neue Investor – laut Dobiey ein europäischer Konkurrent – habe aber Interesse an der Fortsetzung der Produktion in Freiberg gezeigt.

Allerdings wurden Ende September bereits 120 der verbleibenden 150 Mitarbeiter der Solarworld-Modulproduktion in eine Transfergesellschaft versetzt.

Jahrelang die Speerspitze eines vermeintlichen Wirtschaftswunders

Für die Mitarbeiter der Zellproduktion der Solarworld in Arnstadt wurde eine zweite Transfergesellschaft gegründet. Die Produktion in Thüringen wurde bereits im Juni eingestellt und die Geräte werden zusammen mit 700 Artikeln aus dem Freiberger Bestand versteigert –  jedoch ohne Modulfertigungsanlagen, an deren Erwerb der ungenannte potentielle Käufer Interesse bekundet hat.

Bis mindestens Ende des Jahres werden voraussichtlich rund 30 Mitarbeiter in Freiberg bleiben, um die Produktion schrittweise einzustellen und sich um Gefahrstoffe und Fabrikhallen zu kümmern.

Solarworld und Gründer Frank Asbeck waren jahrelang die Speerspitze eines vermeintlichen grünen Wirtschaftswunders. Das Unternehmen, das er 1998 gründete und lange Zeit dominierte, überlebte lange Zeit als einzige große Solarfirma Europas eine Welle von Firmenpleiten.

Bereits 2013 kurz vor dem Untergang

Als sich Ende der 1970er Jahre Umwelt- und Friedensaktivisten mit alten K-Gruppen-Leuten zusammenfanden, um in die Parlamente einzuziehen, gehörte der damals 20-jährige Asbeck zu den Pionieren. Später gründete er zusammen mit Gert Bastian, Petra Kelly, Michael Vesper und anderen in Nordrhein-Westfalen den ersten grünen Landesverband.

Schon 1987 jedoch zog Asbeck sich wieder von der politischen Bühne zurück, um in das Geschäft mit Photovoltaik-Anlagen einzusteigen. Nur ein Jahr nach der Gründung von Solarworld konstruierten SPD und Grüne im Bundestag das Erneuerbare-Energien-Gesetz zur Förderung der Solar- und Windenergie in Deutschland.

Bereits im Sommer 2013 stand Asbecks Konzern kurz vor dem Untergang. Die geldgebenden Banken mußten 60 Prozent ihrer Forderungen abschreiben, die Anteilseigner notgedrungen einem 95-prozentigen Kapitalschnitt zustimmen. Die Bilanz wurde damit aufpoliert, doch an den schlechten Zahlen des laufenden Geschäftes änderte sich nichts.

Das nun wahrscheinlich endgültige Aus von Solarworld hat mehrere Gründe. Zum einen setzte der von chinesischen Milliardeninvestitionen befeuerte ruinöse Wettbewerb allen Photovoltaik-Herstellern zu. Hinzu kamen jedoch auch Managementfehler, überteuerte Einkäufe von Rohstoffen und teure Übernahmen.

Zwangsabgabe und Jobverlust

Und es wurde zu wenig Geld in Forschung und Entwicklung investiert. Dank der EEG-Subventionen schien die Solartechnologie ein sicheres und relativ risikoarmes Geschäft zu sein. Das traf nur so lange zu, bis die internationale Konkurrenz in Fahrt kam.

Asbeck, Solarworld und andere ruhten sich lange auf den garantierten Zuflüssen aus der EEG-Umlage aus, das den deutschen Stromverbrauchern für jede Kilowattstunde Strom aktuell 6,8 Cent mehr aus den Taschen nimmt. Die Folge waren, wie so oft in subventionierten Branchen, Stillstand und Innovationsarmut.

Die deutschen Bürger zahlen dafür doppelt: mittels Zwangsabgabe und Jobverlust. Die Stromnetzbetreiber haben derweil auf dem Rücklagenkonto bis dato mehr als vier Milliarden Euro angesammelt. Für das Jahr 2020 rechnet die Denkfabrik Agora damit, daß die EEG-Umlage erstmals die Grenze von sieben Cent pro Kilowattstunde überschreiten wird.

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