Professor Stefan Willich: Wirkliche Zahl der Coronavirus-Infizierten bleibt spekulativ

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In der ARD-Sendung »Maischberger« kritisierte der Epidemiologe und Sozialmediziner Professor Stefan Willich die Zahlenspielereien in den Medien. Die wirklich Zahl der Coronavirus-Infizierten bleibe spekulativ. Niemand wisse über die Dunkelziffer Bescheid. Das können fünfmal soviel sein oder zehnmal. Alles, was man kennt, sind die Zahlen der offiziell positiv getesteten Personen.
Es gebe aber klare Erkenntnisse, für wen eine Virusinfektion mit SARS-CoV-2 besonders bedrohlich ist. Die in Italien mit oder am Coronavirus Verstorbenen haben ein Durchschnittsalter von rund 80 Jahren. Und die Hälfte von denen hat drei oder mehr ernsthafte Vorerkrankungen, wie Diabetes, Herzerkrankungen, Lungenerkrankungen oder Nierenerkrankungen.
Für gesunde Kinder und Jugendliche sei die COVID-19-Erkrankung relativ ungefährlich.Schwere Verläufe oder gar Todesfälle seien bei jungen Menschen ohne Vorerkrankungen extreme Ausnahmefälle. Für diese Altersgruppen sei die Influenza gefährlicher.
Professor Willich erklärte nochmals, was viele andere Experten bereits gesagt haben: Oft ist bei den Todesopfern nicht klar, ob sie an oder mit dem Virus gestorben seien. Trotzdem würden sie mitgezählt, obwohl nicht klar ist, welche anderen Faktoren eine viel entscheidendere Rolle gespielt haben.
Allerdings müssten alle Menschen an den Schutzmaßnahmen teilnehmen, um die Hochrisiko-Gruppen zu schützen.
Wichtig sei die Frage, ab welchen Zahlen von Personen, die intensivmedizinische Behandlung benötigen, die Krankenhäuser überlastet seien. Doch die Fallzahlen dieser Personen bleibt wohl zurzeit stabil, sie wächst in den meisten Regionen nicht exponentiell.
Daher ist er der Meinung, dass die restriktiven Maßnahmen nicht der ausschlaggebende Faktor sind, sondern die persönlichen Rücksichtnahmen unter den Menschen. Bis Ostern müsse man wohl noch unter den harten Maßnahmen leben müssen. Doch dann könne man eventuell die Maßnahmen Schritt für Schritt lockern, wobei die Risiko-Gruppen weiterhin besonders geschützt werden müssen.
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