Weg mit der Zeitumstellung!

Von Manuel Freund | Gestern Abend saß ich entspannt bei meiner besten Freundin und dachte mir: Hey, ist ja entspannt, es ist gerade mal 0 Uhr und ich muss morgen um 12 Uhr arbeiten (und dementsprechend so 10:30 Uhr aufstehen), also kann ich ja noch bis 1:30 Uhr hier bleiben, halbe Stunde Rückweg, natürlich noch ne halbe Stunde Apollo-Artikel lesen (Grüße an die Chefredaktion) und dann komm ich immer noch auf meine acht Stunden schlaf. Dachte ich…

Dann ist mir eingefallen: Scheibenkleister, heute wird ja Zeit umgestellt, also trotzdem noch eine Stunde geblieben und heute morgen total übermüdet aufgewacht. Es ist jedes Jahr dasselbe: Im Herbst freut sich jeder über die eine Stunde mehr an dem einen Abend, aber ich glaube wenn die fehlen würde, würde keiner sie vermissen. 

Ganz anders sieht es bei der einen Stunde aus, die uns jeden Frühling wieder weggenommen wird. Offensichtlich ist das für die meisten kein Weltuntergang, aber es bringt alles durcheinander. Zum einen gibt es Menschen wie mich, die einfach zu verplant sind, um sich an solche irrelevanten Dinge wie die Existenz der Zeitumstellung geschweige denn an dessen genaues Datum zu erinnern – ich weiß bis heute nicht sofort, wann mein Vater denn nun Geburtstag hat. Dementsprechend bringt die Zeitumstellung einfach meinen ganzen Tagesplan durcheinander.

Zum anderen ist es nachweisbar, dass durch den gestörten Schlafrhythmus viele Personen nach der Zeitumstellung müde sind, sie leiden an Konzentrationsstörungen und sind gestresster. Dadurch wird Arbeit oft für einige Zeit ineffizienter bewältigt, es kommt statistisch zu mehr Unfällen (ca. 8 %)  im Verkehr, im Haushalt und am Arbeitsplatz und sogar die Herzinfarktrate wird durch das erhöhte Stresslevel gesteigert. Zusätzlich soll es nach der Umstellung zur Winterzeit vermehrt Wildunfälle geben, da die Hauptverkehrszeiten nun noch direkter in der Dämmerung liegen.

Zudem gibt es viele Berufsgruppen, die durch die Zeitumstellung einen Mehraufwand haben. Alle Berufe, die sich an natürliche Biorhythmen anpassen, zum Beispiel. Der Jäger hat immer noch die gleichen Arbeitszeiten, aber dadurch, dass die Zeit sich ändert und alles andere Umgestellt wird, muss der Jäger seine tägliche Routine umstellen. Gleiches gilt für Bauern, Förster und sämtliche Tierwissenschaftler. 

Aber auch in technischen Bereichen kann es Probleme geben. Technische Geräte müssen umgestellt werden und es gibt auch heute noch Geräte, die man manuell umstellen muss, weil sie eben nicht mit einer Funkuhr verbunden sind, die das automatisch macht.

Zu den ganzen Kritikpunkten kommt hinzu, dass das größte Pro-Argument invalide ist. Eigentlich solle durch die Umstellung des Rhythmus Strom gespart werden, weil man so im Sommer abends das Licht erst später anmachen müsse. In der Vergangenheit habe sich jedoch gezeigt, dass diese Energiespareffekte kaum erkennbar seien.

Besonders ärgerlich ist das ganze, weil 2019 nach einer Online-Umfrage des EU-Parlaments, bei dem die eindeutige Mehrheit für eine Abschaffung der Zeitumstellung war, sogar beschlossen hat, die Umstellung abzuschaffen. Jedoch hat man das Thema dann einfach ohne eine endgültige Lösung links liegen lassen, sodass jetzt 2021 jedes EU-Land selbst entscheiden darf, ob es weiterhin die Zeit umstellt oder nicht und wenn nicht, dann ob das Land bei Sommer- oder Winterzeit bleibt, sodass wir ab nächstem Jahr vermutlich einen Zeit-Flickenteppich in Europa ertragen müssen. 

Fest steht also: Die Zeitumstellung ist gar nicht so sinnvoll, wie man ursprünglich dachte. Sie schafft nur neue Probleme statt alte zu lösen und ist demnach ganz einfach unnötig. Zusätzlich ist sie teuer und nervig, also sollten wir uns endlich von ihr trennen.