Kardinal Marx greift CSU an

Junge Freiheit

MÜNCHEN. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, hat die CSU für ihre Position in der Asyldebatte scharf kritisiert. „Eine Partei, die sich für das C im Namen entschieden hat, geht eine Verpflichtung ein – besonders in der Haltung gegenüber den Armen und Schwachen“, sagte er im Gespräch mit der Zeit.

Marx bescheinigte der CSU einen Rechtskurs, den er als Fehler betrachte. „Zu meinen, wir wandern am besten alle nach rechts, weil der Zeitgeist nach rechts wandert – das halte ich für eine falsche Einschätzung.“ Gerade als Katholik verbiete es sich, Nationalist zu sein, betonte der Kardinal.

Seehofers Aussagen zur Afghanen-Abschiebung „unangemessen“

Zuletzt hätte ihn die Aussage von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zur Abschiebung von 69 Afghanen an dessen 69. Geburtstag geärgert. An die Adresse des CSU-Chefs sagte er: „Einen solchen Zusammenhang herzustellen, ist höchst unangemessen und hat zu Recht viele empört.“

Die Menschen in Europa dürften sich nicht von Angst vor Flüchtlingen leiten lassen. Nicht umsonst ziehe sich der Ruf „Fürchtet euch nicht!“ durch die Bibel. „Europa darf keine Festung werden.“

Evangelische Kirche regt Zusammenarbeit mit Vatikan an

Unterdessen hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) eine Zusammenarbeit bei der Seenotrettung von Flüchtlingen mit der Katholischen Kirche angeregt. Der Vorsitzende der EKD-Kammer für Migration und Integration, Manfred Rekowski, sagte im Gespräch mit dem Kölner Stadt-Anzeiger, es gehe darum, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit darauf zu lenken, wie Europa derzeit bei der Rettung der Asylbewerber scheitere.

Das von der EKD mitfinanzierte Aufklärungsflugzeug „Moonbird“, das die Organisation Mission Lifeline bei der Suche nach Flüchtlingen in Seenot unterstützt, werde derzeit von den maltesischen Behörden an Einsätzen gehindert. „Mit unseren ökumenischen Partnern werden wir weiterüberlegen, wie wir den Druck erhöhen oder kreative Lösungen finden können. Die „Moonbird“ etwa dürfte dann wieder über Seegebiet kreisen, wenn ein anderer Staat sie anfordert. Warum sollte also nicht zum Beispiel der Vatikan ein solches Ansinnen an die maltesischen Behörden stellen?“

Rekowski nahm auch die Flüchtlingshelfer gegen Vorwürfe in Schutz, durch ihre Anwesenheit die gefährlichen Überfahrten der zumeist afrikanischen Migranten zu begünstigen. „Das ist eine dreiste, infame Behauptung.“ (ag)

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