Trump wirft May Versagen bei Brexit-Verhandlungen vor

Junge Freiheit

LONDON. US-Präsident Donald Trump hat der britischen Premierministerin Theresa May Versagen bei den Brexit-Verhandlungen vorgeworfen. „Dafür haben die Leute im Referendum nicht gestimmt“, sagte er im Interview mit der Boulevardzeitung Sun zu den Eckpunkten Mays, mit denen diese in die entscheidenden Verhandlungsrunden mit der EU gehen will.

Trump bedauerte, daß die Premierministerin nicht auf seine Ratschläge in der Frage eingegangen sei. „Wenn sie einen solchen Deal schließen, hätten wir es am Ende wieder mit der EU zu tun, anstatt mit dem Vereinigten Königreich. Das würde dann ein Abkommen unmöglich machen“, prognostizierte Trump.

Trump über Johnson: „Er wäre ein guter Premierminister“

Mays Weißbuch beinhaltet unter anderem eine Freihandelszone mit der EU unter Beibehaltung des „gemeinsamen Regelwerks“. Statt der bisher existierenden Zollunion schlägt May ein „gemeinsames Zollgebiet“ mit der EU vor, das ebenfalls nach den Regeln Brüssels funktionieren soll. Befürworter eines harten Brexit monieren, daß Großbritannien dadurch de facto weiterhin EU-Mitglied bliebe, wenn auch ohne Stimmrecht.

Die beiden EU-kritischen Minister David Davis, der für den Brexit zuständig war, und Außenminister Boris Johnson, traten nach Bekanntwerden von Mays Plänen aus Protest zurück. Über letzteren sagte Trump in dem Interview: „Er wäre ein guter Premierminister.“

Derzeit ist der US-Präsident zu einem zweitägigen Arbeitsbesuch in Großbritannien. Am Freitag traf er mit May auf dem Landsitz Chequers zusammen. Dabei unterstrich er: „Unsere Partnerschaft ist sehr, sehr stark. Wir haben wirklich eine sehr gute Beziehung.“

Trump fürchtet um Europas Zukunft

Unterdessen kam es in London zu massiven Protesten gegen den Staatsbesuch. Laut der Zeitung Daily Mail marschierten am Freitag 70.000 Menschen, die gegen Trumps Besuch demonstrierten, durch die britische Hauptstadt.

Im selben Interview mit der Sun fand Trump auch scharfe Worte zur Massenmigration. Europa würde deswegen „seine Kultur verlieren“. Er selbst sei ein Produkt Europas, sagte der Präsident mit Verweis auf seine deutsch-schottischen Wurzeln. Deswegen empfinde er „große Liebe für die Länder Europas“.

Was aber derzeit mit Europa passiere sei „eine Schande“. Die illegale Einwanderung habe „den Charakter Europas verändert“. Sofern nicht schnellstens gegengesteuert werde, „werde Europa nie wieder das sein, was es einmal war. Und das meine ich nicht im positiven Sinne“, fügte er hinzu. „Millionen und Abermillionen zu erlauben, nach Europa zu kommen, ist sehr, sehr traurig.“ Er mahnte: „Schaut Euch um! Ihr geht durch bestimmte Gegenden, die so vor zehn oder 15 Jahren noch nicht existiert haben.“ (tb)

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