Kellner vs. Chebli – Showdown in Berlin

Im Prozess wegen mutmaßlicher Beleidigung der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) im Internet hat der Angeklagte die Vorwürfe zurückgewiesen und sich auf das Recht der freien Meinungsäußerung berufen. Er hege keinen Groll und keine bösen Absichten gegen Chebli, sagte der frühere Polizist am Donnerstag vor dem Amtsgericht Tiergarten. Doch Chebli trete polarisierend in der Öffentlichkeit auf, er wolle ihr Paroli bieten, so der Angeklagte.

Der 46-Jährige soll die Politikerin in einem Video als „Quotenmigrantin der SPD“ und „islamische Sprechpuppe“ bezeichnet haben. Quotenmigrantin sei eine sachliche Feststellung, es sei seine Meinung, so der Angeklagte. Zudem betrachte er „islamische Sprechpuppe“ nicht als Beleidigung.

T-Online | 27. Februar 2020

Und das Interesse war riesig. Etwa 200 Bürgerliche aller Couleur waren eigens aus ganz Deutschland angereist. Ein Indiz für den Rückhalt, den der ehemalige Polizeikommissar Kellner (darf ich das so sagen?) im Volk genießt. Doch das von ihm selber als „Endspiel zwischen Palästina und Deutschland“ stilisierten Showdown, fand von vorn herein unter ungleichen Bedingungen statt.

Zwar hatte das Amtsgericht aufgrund des zu erwartenden großen Interesses angeblich einen größeren Saal zur Verfügung gestellt, doch die Wahrheit war eine andere. Etwa alle fünf Minuten ließen die Justiz-Beamten jeweils eine Person zum Sicherheitscheck hinein. Die Unruhe beim wartenden Volk war sprichwörtlich mit den Händen zu greifen, denn schnell waren 90 Minuten rum und es wurde – nachdem die Menge skandiert hatte: Wir wollen rein – eilends ein Zettel in die Scheibe gehängt auf dem das Ende der erreichten Kapazität mitgeteilt wurde.
   
Die empörten Besucher zogen daraufhin in die Halle des Gerichts und machten ihrem Unmut lautstark Luft. Sie sangen die Nationalhymne und erwarteten wohl, dass sich die erlebte Willkür so bezähmen ließ. Doch weit gefehlt. Nach dem Motto jetzt erst recht nicht, versammelten sich runde zehn Polizisten im Foyer und demonstrierten Stärke.

Währenddessen kämpfte im Saal 101 der Angeklagte für seine Sicht der Dinge.

 Die Staatssekretärin für „Bürgerschaftliches Engagement und Internationales“ war gar nicht erst persönlich erschienen. Stattdessen sendeten alle Lokalsender ihre tragische Geschichte, dass sie sich wegen Leuten wie Kellner kaum mehr aus dem Haus traue und sich an Leib und Leben bedroht fühle. Sie wolle deshalb „mit aller Entschiedenheit“ gegen Typen wie ihn vor Gericht gehen.