Kollektive CDU-Führung: Ein Trio mit acht Fäusten

Die Grünen haben zwei Chefs, die AfD und die Linken als jeweils extreme Randparteien auch, die SPD neuerdings dito – und nun kommt auch die CDU schwer unter Druck, die als eine von nur noch ganz wenigen deutschen Parteien immer noch auf eine einsame Spitze vertraut. Geht das überhaupt noch in Zeiten der Diversität? Wie kann eine notwendige Frauen- und wie kann eine denkbare Männerquote durch eine einzige Person gesichert und glaubhaft verkörpert  werden? Reicht wirklich eine Frau mit Kurzhaarfrisur, damit sich die männliche Hälfte der Bevölkerung wiederfindet? Oder muss die Union hier nicht vielmehr auch in der Form nachschärfen?

Ein Team für den Neuanfang

Das sind die Fragen, die weit über Thüringen hinaus überall diskutiert werden, wo derzeit Unionsanhänger die Köpfe zusammenstecken und sorgenvolle Mienen machen. Es geht um Weichenstellungen, die Basis und Überbau der letzten Volkspartei in den Tagen des Abschieds der noch amtierenden Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer umtreiben. Was tun? Weiter so? Oder radikaler Neuanfang? Wie lassen sich die zum Teil recht beliebten, zum Teil aber auch nur belächelten Duettpartner bei den kleineren Parteien übertrumpfen? Wie kann Modernität und Konservatismus gleichermaßen betont werden, ohne sowohl das ein zu tun oder das andere nicht zu lassen?

Die Antwort scheint klar: Die CDU tritt mit einem Trio an, mindestens. Das wäre ein Parteichef mehr als Grüne und die roten Konkurrenten derzeit vorweisen können – und zugleich ein deutliches Signal Richtung Ewiggestriger, die wie das CDU-Urgestein Wolfgang Bosbach gewarnt hatten: „Bitte keine Doppel- oder gar Dreierspitze!“ Aber warum denn nicht? Heute schon wird die CDU mit Merkel im Kanzleramt, die zuweilen auch die Partei führt, und AKK im Adenauer-Haus, die nebenbei Deutschlands Verteidigung leitet, von zwei Personen geführt. Das ist immerhin eine mehr als damals zu Zeiten von Helmut Kohl und der jungen Angela Merkel, die die beiden Jobs ganz allein wuppten.

Wechsel ohne Machtkampf

Nicht mehr angesagt in Zeiten der Sabbatjahre und des Jobsharing, in denen ein echter Machtkampf selbst um richtige  Führungspositionen im Land oder der EU kaum noch in Gang kommt. Nirgendwo Schlammschlachten, nirgendwo Hauen und Stechen mit durchgesteckten Skandalen und widerlichen Beleidigungen auf persönlicher Ebene. Auch eine Woche nach der Kapitulation von Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich kein einziger Bewerber um die Nachfolge öffentlich gezeigt. Jeder der bisher drei gehandelten Kandidaten erwartet, dass ihn die Partei auf Knien bittet, das Amt zu übernehmen.

Die Partei aber traut sich auch nicht, denn einen zu bitten, hieße, die anderen beiden zu verschrecken, die Spaltung zu vertiefen und den Falschen in die Hände zu spielen. Um Streit zu vermeiden und Geschlossenheit zu demonstrieren, bringen deshalb immer mehr Stimmen aus der CDU die neue Trio-Lösung ins Spiel, die sich auf die große und erfolgreiche Tradition der kollektiven Führung beruft. Ein Team soll es richten, geleitet von den Prinzipien des Parteiprogramms und als kollektive Führung schon allein von den möglichen Einsatzzeiten her auch talkshowtechnisch allen Stars der anderen Parteienüberlegen.

Frieden für die CDU

Zugleich bringt die Trio-Lösung Frieden in die Partei. Damit könnten Merz, Spahn und Laschet eingebunden werden, alle drei wären – wie bei den anderen Parteien – gleichberechtigte Parteichefs und damit auch gleichermaßen berechtigt, jeweils als erste Zugriff auf die Kanzlerkandidatur zu nehmen. Mit drei Kanzlerkandidaten wiederum würde die CDU allen Konkurrenten den Wind aus den Segeln nehmen; Für jeden wäre etwas dabei, für milde Sozialisten ebenso wie für beinharte Evolutionisten, für kapitalkräftige Selbstvorsorger wie für staatsgläubige Öko-Romantiker.

Annegret Kramp-Karrenbauer wird in den nächsten Tagen beginnen, die Bewerber zum Castingparcour in der Parteizentrale zu empfangen, wo sie gemeinsam mit Kanzlerin Angela Merkel auswählen wird, wer ihr dereinst nachfolgen darf. Berücksichtigt werden soll dabei auch der 2012 von Angela Merkel entlassene ehemalige Minister für Reaktorsicherheit, Norbert Röttgen, dem aber wenig Chancen eingeräumt werden, dem künftigen Führungskollektiv angehören zu dürfen.