Kommentar zu „Wir haben das Recht auf Gotteslästerung“ von caruso

Zeige man mir einen Aberglauben, aus dessen Grund solch Wunderwerke entstanden sind, wie die romanischen und gotische Kathedralen, die herrlichsten geistlich Musiken von H. Schütz, J.S. Bach, die Marienvesper von Monteverdi. Staat Mater von Pergolen, das Requiem vom Mozart und Verdi, die C-Dur Messe von Schubert usw.,usf. Am allerwichtigsten: die Zehn Gebote und dazu “Liebe deinen Nächsten, er ist wie du” (Martin Buber). Diese beiden letzteren Beispiele die die mehr oder weniger gut erfüllte ideelle Grundlage aller Gesellschaften sind, ob sie es wissen oder nicht, findet man in keiner Philosophie. Beide sind keine religiöse Erfindungen, sondern in Entdeckungen, die man später in schriftlicher Form abgelegt hat, damit ins Bewußtsein bringend, damit die Wirkung verstärkend.
Daß in Religionen eine Menge Aberglauben gibt, klar. Menschen sind abergläubisch, warum sollte gerade die Religion davon frei sein? Und, weiß einer, was man von unserem ach so aufgeklärten wissenschaftlichen Denken in 500 oder 1000 Jahren sagen wird, was man für Aberglauben erklären wird, wissen wir? – Das sagt einer, der Zeit seines Lebens ein ungläubiger Hund war, auch jetzt noch auf seine alten Tage, der keine religiöse Erziehung genoß, der diese auch nicht wollte, weil er Religion für langweilig hielt. Heute tut es mir leid, daß ich über Religion so wenig weiß, eine hoch interessante kulturelle Erscheinung.
lg
caruso