Macron zieht den Stecker aus der „Grande Nation“

Noam Chomsky sagte einmal sinngemäß, dass es die beste Methode sei eine Debatte einzuengen, indem man innerhalb des erlaubten Spielraumes die Diskussion umso heftiger führt. Chomsky ist ein Linker, der die Gabe besitzt verbale Granaten abzufeuern, welche im eigenen Lager einschlagen – dafür sei ihm gedankt.

Das beste Beispiel für die Wirksamkeit von Chomskys Aussage ist die hysterifizierte Klimadebatte.

Frankreich wird von Generalstreiks, Gelbwesten sowie Rassenunruhen beinahe lahmgelegt. Macron kann seine Reformen nicht durchbringen. Er kann die öffentliche Sicherheit mehr schlecht als recht aufrechterhalten. Marine Le Pen hat unterdessen den Hut in den Ring geworfen. Eine Neuauflage des Duells Macron – Le Pen ist überaus wahrscheinlich. Ob Macron erneut mit Hilfe der geballten Kraft von Medien, Bürokratie, Staatswirtschaft sowie NGOs gegen die diabolisierte und geschnittene Kandidatin obsiegt, ist nicht ausgemacht.

Was macht also Monsieur Le President? Er entsendet seine Truppen als Gendarm Afrikas. Löblich. Auch die USA, Großbritannien und zurückhaltender Deutschland beteiligen sich an Anti-Terror-Einsätzen. Die Libyen-Strategie ist auf Linie mit Ägypten, Russland und Amerika. Vernünftig.

Aber es bleibt der Beigeschmack der Hybris. Gleich der Nachkriegsordnung von Versailles. Deutschland geknebelt und gefesselt. Russland unter der Terrorherrschaft der Sowjets isoliert und geschwächt. Großbritanniens Premier prägte in diesen Tagen den Begriff des Weltpolizisten, den das Empire nicht spielen wolle. Die USA waren auf den Weg zurück zur Normalität. „The Business of America is Business“, erklärte der republikanische Nachfolger Woodrow Wilsons.

Es verblieb somit in der Verantwortung Frankreichs die Nachkriegsordnung aufrechtzuerhalten. Eine utopische Vorstellung, welche den Weg Richtung Faschismus wie Kommunismus ebnete. Und den Weg Richtung Zweiter Weltkrieg.

Vergleiche hinken. Dies liegt in der Natur des Vergleichs, aufgrund der Einzigartigkeit aller Geschehnisse.

Jedoch verbleibt nun einmal der Geschmack der Hybris. Eine Ordnung ohne das Vereinigte Königreich, welches man nach wie vor für den Brexit bestrafen will. Eine Ordnung ohne die Vereinigten Staaten von Amerika, welche man für die Wahl Trumps bestrafen will. Eine Ordnung mit Russland sowie China ohne ausreichende Abschreckung. Sowohl ökonomisch, als auch militärisch. Eine Ordnung ohne die Osteuropäer, welche man für PiS und Orban bestrafen will. Eine Ordnung ohne Italien, welches man für Salvini bestrafen will.

Eine Restauration des Frankenreiches. Ohne Titel, ohne Mittel, ohne Zukunft.

In diesem Dilemma schreitet Macron zur letzten verbliebenen Waffe. Hätte Frankreich auf Atomstrom sowie sparsame kleine Autos gesetzt, wäre die Unterstützung von Paris für den Brüsseler Klimaterror sowie den Berliner Industriesuizid taktisch nachvollziehbar gewesen.

Doch jetzt zieht Macron endgültig den Stecker aus der „Grande Nation“. Frankreichs Anteil am Atomstrom soll von aktuell 75 Prozent auf 50 Prozent sinken. AKWs werden vom Netz genommen. Zeitgleich gehen Deutschlands AKWs vom Netz. Parallel zu den Kohlekraftwerken. Bisher helfen Frankreichs AKWs aus, um den deutschen Blackout zu verhindern. Was passiert, wenn Macrons Pläne tatsächlich umgesetzt werden.

Wenn zusätzlich zu den gestiegenen Spritpreisen, die Leute auch noch wegen der gestiegenen Strompreise auf die Straße getrieben werden.

Sich für wenige Minuten Zeit zu erkaufen, indem man schulschwänzende Banden ruhigstellt, um zeitgleich den Proteststurm wenige Stunden darauf zu erhöhen, kann nur noch als Unzurechnungsfähigkeit definiert werden…

[Autor: G.B. Bild: www.wikipedia.org/Presidencia de la República Mexicana Lizenz: CC BY 2.0]

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