Deutsche wandern massenweise aus Deutschland aus

Verleugnet wird, dass der Zuzug nach Deutschland weiterhin auf hohem Niveau anhält. Dabei bedient man sich imMigrationsbericht eines bekannten Tricks, wie er in sozialistischen Staaten üblich ist: Man vergleicht mit einem günstigen Wert, in diesem Fall mit dem Jahr 2015 – und da ist anschließend jeder Wert kleiner. Und natürlich reden sich die Beamten das Zuwandern schön.
Ein Beispiel. Unter der Überschrift »Weniger Asylanträge – auch Familiennachzug geht zurück«, die wohl beruhigen soll, heißt es: »Während 2017 noch 198.317 Asylerstanträge entgegengenommen wurden, ging die Zahl im Jahr 2018 um 18,3 Prozent auf 161.931 zurück, davon 32.303 Asylanträge (19,9 Prozent) von in Deutschland geborenen Kindern im Alter von unter einem Jahr.« Was der Bericht verleugnet: Gegenüber dem Jahr 2007 ist das lautMigrationsbericht von 2015 mit 19.164 Anträgen eine Steigerung um bald das zehnfache.
Und auch den Mythos Fachkräfte durch Migration scheint man sich im Innenministerium noch immer zu erzählen. Hier lautet die Überschrift »Attraktiv für Studium und Arbeit« Die Studenten kamen dabei vor allem aus China, Indien und Syrien. Wen wunderts, da chinesische Studenten nicht selten in den Genuss deutscher Entwicklungshilfe für China kommen.
Die Realität wird dann unter der Überschrift »Abwanderung von deutschen Staatsangehörigen« beschrieben. Denn nicht nur die Migration nach Deutschland nimmt zu – zugleich verlassen immer mehr Deutsche das Land. Dazu heißt es in dem Bericht aufSeite 165 wörtlich: »Im Jahr 2018 wurde mit 261.851 Fortzügen von deutschen Staatsangehörigen aus dem Bundesgebiet ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr registriert (–5,1 %, 2017: 249.181 Fortzüge)«. Den negativen Wert wird die von Minister Altmeier aus den USA importierte künstliche Intelligenz bei Gelegenheit möglichweise erklären. Tatsächlich handelt es sich um eine Steigerung von 5,1 Prozent.
So geht es weiter. Bei der Auswanderung von Deutschen aus Deutschland spricht man von »klassischer Migration«, wenn man langfristig meint. Auf gut Deutsch: Die Ausgewanderten kommen wahrscheinlich nicht wieder zurück. Bei der zentralen Frage, ob es womöglich gerade Hochqualifizierte sind, die Deutschland verlassen, zeigt sich das Amt bemerkenswert desinformiert: »Da der amtlichen Wanderungsstatistik keine Informationen über das Qualifikationsniveau der deutschen Abwandernden entnommen werden können, kann nicht angegeben werden, wie viele hochqualifizierte deutsche Personen temporär oder auf Dauer aus Deutschland fortziehen.« Seltsam: Bei den Migranten wusste die Regierung sehr genau, dass es sich um Fachkräfte handelt. Wenigstens zeitweise.
Kurz gesagt: Der gesamte Migrationsbericht dokumentiert einmal mehr den Übermut der deutschen Politik und ihrer Ämter mit dem Problem Fachkräftemangel. Weiterhin wird verleugnet und so weit es geht beschönigt. Und wenn das alles nicht hilft, kann man sich ja auch mal verrechnen.