Israelis werden im März wieder wählen müssen

In Israel gibt es zwei starke Parteien, die um die Vorherrschaft im Land und um die 120 Sitze im Parlament, der Knesset, streiten. Neben der traditionellen Likud, der konservativen Partei von Benjamin Netanjahu, ist die erst im vergangenen April gegründete Sammlungsbewegung Kachol Lavan (Blau Weiß) bei der letzten Parlamentswahl im September der zweite Hauptprotagonist. Kachol Lavan ist es sogar gelungen, aus der September-Wahl als stärkste Partei hervor zu gehen, eine Regierungsbildung aber gelang auch den Mannen um den Vorsitzenden Benny Gantz nicht.
Inhaltlich liegen Kachol Lavan und Liqud gar nicht einmal weit voneinander entfernt. Auch die im September gewonnenen Sitze (33 zu 32 für Blau Weiß) zeigen, dass man Kopf an Kopf liegt und bei einer etwaigen Zusammenarbeit über 65 der 120 Sitze im Parlament verfügte. Aber alte Verbundenheiten bei Likud zu den ultraorthodoxen Gruppen in der Knesset wie auch ein gewisses Konkurrenzdenken zwischen Netanyahu und Gantz verhinderten (bisher) einen gemeinsamen Lösungsansatz, von einer Regierungskoalition war gar nicht erst zu reden.
Für Benny Gantz und seiner Partei spielt die Zeit, für Netanjahu, seine Likud-Partei und die ultraorthodoxen Gruppen hingegen läuft sie langsam ab. Während Blau Weiß in Umfragen seinen Stimmenanteil auf in der Zwischenzeit 37 Prozent ausbauen konnte, stagniert Likud. Vor allem aber die Verluste der beiden nationalistisch ausgerichteten Parteien, Schas und Vereinigtes Thora-Judentum (VTJ), machen eine erneute Auflage einer von Likud geführten Regierung immer unwahrscheinlicher.
Die Israelis sind sich übrigens relativ einig darüber, wie die neue Regierung aussehen sollte: eine von Benny Gantz geführte Koalition aus Blau Weiß und Likud mit Netanjahu als seinem Stellvertreter.