„Selbstbedienungsmentalität“Hessische AWO-Funktionäre treten zurück

Das Stühlerücken beginnt. Nachdem die Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Frankfurt und Wiesbaden wegen überhöhter Gehälter und finanzieller Unregelmäßigkeiten in die Schlagzeilen geraten war, traten in den vergangenen Tagen mehrere Funktionäre des Wohlfahrtsverbandes zurück. Am Donnerstag räumte der langjährige Geschäftsführer der Frankfurter AWO, Jürgen Richter, seinen Posten. Dieser Schritt sei jedoch kein Schuldeingeständnis, betonte er gegenüber dem Hessischen Rundfunk. Es gehe ihm darum, Schaden von dem Verband abzuwenden.

Sein Sohn Gereon Richter trat ebenfalls als Geschäftsführer der Wiesbadener AWO zurück. Er bleibt jedoch Fachbereichsleiter für die pädagogischen Einrichtungen des Verbandes, berichtete die Frankfurter Rundschau. Auch seine Mutter, Hannelore Richter, hatte bis vor kurzem eine führende Position in der AWO inne. Sie war ebenfalls 20 Jahre lang Geschäftsführerin in Wiesbaden und zugleich Sonderbeauftragte der Organisation in Frankfurt.

Der aktuelle Geschäftsführer der AWO Wiesbaden, Murat Burcu, verteidigte hingegen während einer Pressekonferenz sein Jahresgehalt von über 200.000 Euro. Die Summe sei vertretbar, sagte er. Das habe ein Fachanwalt festgestellt.

Frankfurter Oberbürgermeister bedauert Schweigen

Bereits am Montag war der Wiesbadener AWO-Vorsitzende Wolfgang Stasche zurückgetreten. Als Grund gab er Vorfälle an, „die nur schwerlich mit den Grundwerten eines Sozialverbandes, der aus der Arbeiterbewegung hervorgegangen ist, zu vereinbaren sind“.

Unterdessen äußerte sich auch Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) zum hessischen AWO-Skandal. Er bedauerte, bislang zu den Vorgängen in dem Wohlfahrtsverband geschwiegen zu haben. Feldmann selbst war wegen des ungewöhnlich hohen Gehalts seiner Ehefrau Zübeyde in die Schlagzeilen geraten. Sie hatte neben einemr ungewöhnlich hohen Vergütung auch einen Dienstwagen von der Wohlfahrtsorganisation erhalten.

100.000 Euro Gehalt für Nachwuchspolitiker

Die Aussagen Feldmanns riefen scharfe Kritik hervor. Der Frankfurter Stadtverordnete Nils Kößler (CDU) warf der AWO eine „Selbstbedienungsmentalität“ vor und stellte die Frage, ob Feldmanns späte Äußerungen seinem Amt angemessen seien.

Ende November war unter anderem bekannt geworden, daß ein 33 Jahre alter SPD-Nachwuchspolitiker rund 100.000 Euro Jahresgehalt sowie einen Dienstwagen von der gemeinnützigen Organisation bekommt. (ag)