Patrioten an die Unis: Der Kampf um die Köpfe ist endlich eröffnet!

Am gestrigen Dienstag spielten sich an Wiener Universitäten zweierlei hochpolitische Geschehnisse mit hoher Symbolkraft ab.

Kolumne von Julian Schernthaner

„Student sein, wenn die Veilchen blühen” – so beginnt die erste Strophe eines beliebten Studentenliedes aus dem Jahr 1906. Und die Veilchen blühten – zumindest bildsprachlich in Form eines blauen Auges – einem im Keim erstickten linksradikalen Protest an der TU Wien. Die Maiensonne der Folgezeile glüht zwar noch nicht – aber sie war an diesem Tag dafür einem ins Kreuzfeuer geratenen heimatverbundenen Professor vergönnt, weil die patriotische Zivilgesellschaft sich tatkräftig und präsent solidarisierte.

Linksradikaler Uni-Protest gerät zum Fiasko

Zuerst war da eine Besetzung des Bündnisses „Uns reicht’s”. In wehmütiger Erinnerung an verblasste Forderungen der letzten Generation linker Studenten vor zehn Jahren wollten sie der einstigen Mitstreiterin Maurer einen Katalog hehrer Anliegen für die Regierungsverhandlungen mitgeben und bis zur Durchsetzung nicht weichen. Die bekannteste Anzweiflerin heimischer Kultur sitzt bekanntlich gerade mit Kurz’ Türkisen am Tisch, um an einer grün-schwarzen Regierung zu schmieden.

Kaum am Ort des Geschehens angelangt, war die Revolution aber schon wieder abgesagt. Denn die Essenslieferung – wohl nicht nur bei Stürmung von Tagebauen ein Menschenrecht für konformistische Rebellen – wurde unterbunden. Gar üble blaue Gewerkschafter hingegen, die brachten den bösen Polizisten eine Schnitzelsemmel. Volle Mägen studieren nicht gut, leere Mägen protestieren eben noch schlechter.

Linkes Entsetzen über patriotische Solidarität

Auf Diskursangebote der Unileitung ging man in gewohnter moralischer Überhöhung aber nicht ein. Letztendlich kam es zur Räumung des Festsaales und Lippenbekenntnissen des Rektorats, die Anliegen ja ohnehin selber zu teilen. Tags darauf könnte der Kater nicht größer sein, weil der avisierte Sturm auf die Bastille unter dem Hashtag #wiederbrennen wie so viele ‚angekündigten Revolutionen’ wie ein Teelicht verpuffte.

Umso größer ist das Entsetzen allerdings bei Gesinnungsgenossen aller gesellschaftlichen Strata, von der ÖH-Antifa-Referentin bis zu mit Schimpf und Schand vom Souverän aus dem Parlament komplimentierten linken Ex-Politikern wie Peter Pilz, aber aufgrund eines anderen Umstandes. Denn an der traditionsreichen Uni Wien wohnten gar schröckliche patriotische Studenten einer Vorlesung eines nicht-linken Professors bei. Ja, dürfen die das denn?

Starkes Zeichen ist nur Etappensieg

Während die Krawallbrüder der vergangenen Wochen dort dank Mithilfe des dortigen Rektorats – man stellte Wachleute ab – keinen Zutritt fanden, um die Vorlesung des patriotischen Historikers Höbelt ein drittes Mal zu kapern, war dieselbe bis auf den letzten Platz gefüllt. In einem Zeichen von Solidarität quer durchs patriotische Lager erteilte man den Ansinnen linker Gesinnungswächter, jeden Widerspruch von heimischen Universitäten zu tilgen, eine klare Absage.

Und kein Schäumen vor dem Mund kann diesen Etappensieg patriotischer Zivilgesellschaft an österreichischen Hochschulen rückgängig machen. Aber es bleibt nur ein Etappensieg. Denn bloß weil man ein Zeichen setzt, sich die eigenen Leut’ nicht auf Zuruf aus der Uni schießen zu lassen, bleibt diese ja trotzdem weiter fest in linker Hand – vom Personal bis hin zu den Studentenvertretungen.

Hegemonie nur mit Strategie angreifbar

Damit der Aufbruch vom Dienstag zum Fanal werden kann und kein letztes Aufflackern eines Feuers ist, braucht es Strategie. Jeder Patriot muss danach streben, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten zu bilden. Auch darf man es nicht länger scheuen, in heute scheinbar brotlose, aber für die Hegemonie zentrale Studien zu strömen: Die einstige Flucht in die Naturwissenschaften verzögerte den Verfall eigener Präsenz dort lediglich um eine Generation.

Gleichzeitig braucht es auch den diese Woche gezeigten Mut – vom kleinen Studenten bis ins Parlament. Man muss sich gewiss werden: In der Sache ist man unverrückbar – Personal, Positionen und eigene Traditionen sind nicht verhandelbar. Unser Liedgut ist kein Skandal, der Schmiss des Freundes kein Schandmal und die Verfechtung einer konservativen Meinung auch im „progressivsten” Fach nicht Spinnerei, sondern Beständigkeit.

Fackel patriotischer Freigeister weitertragen!

Was Jahrzehnte selbstverständlich war, war es am Dienstag plötzlich wieder. Es war gleichzeitig ein Schlag ins Gesicht all jener, welche glauben, mit allerhand Anbiederung zu verhindern, dass Torwächter des Diskurses die Torpfosten verschieben können. Der kleine Gegenprotest vom Dienstag hat diese Selbstverständlichkeit an einem Abend mehr zurückgebracht als jedes Zugeständnis an die Inhaber der Deutungshoheit in naiver Hoffnung auf Plätze am Katzentisch in Jahrzehnten.

Dieses Zeichen von fünfzig widerständigen Geistern hat jedes Potenzial, die patriotische Begeisterung wieder auf den Campus – und letztlich in die Gesellschaft zu tragen. Ein kleiner Schritt für das dritte Lager am langen Weg zurück in die Institutionen. Dieser braucht Zeit, Mut und Präsenz. Letztere beide scheinen seit gestern in Ansätzen zurückgekehrt. Hoffen wir, dass es kein Strohfeuer war und tragen die Fackel patriotischer Freigeister früherer Generationen Schritt um Schritt zurück in den akademischen Betrieb! Oder wie ein gestriger Teilnehmer ganz richtig ankündigt: „Wir kommen wieder.”


Weiterlesen:

Nach Antifa-Protesten: Patriotische Studenten zeigen Solidarität mit Höbelt (11.12.2019)

„Uns reicht’s”: Studenten besetzten Festsaal der TU Wien (11.12.2019)

Kolumne: Die Universität darf kein rechtsfreier Raum werden! (4.12.2019)

Der Beitrag Patrioten an die Unis: Der Kampf um die Köpfe ist endlich eröffnet! erschien zuerst auf Die Tagesstimme.