Transhumanismus – eine Zukunftsvision

Schneller laufen, besser sehen, hören und denken. Wer würde das alles nicht gerne können? Die Menschheit strebt seit ihrem Anbeginn nach Verbesserung. Die Naturgesetze zwingen die Lebewesen der Welt zum ewigen Kampf, zur Selbstverbesserung und Adaption. Wer nicht ideal auf seine Umwelt und die dort vorhandenen Gefahren angepasst war, hatte schlechte Überlebensschancen. Auch in der menschlichen Entwicklungsgeschichte gab es einen heftigen Selektionsdruck, der uns erst zu der Spezies machte, die wir heute sind. Der Mensch hob sich aus der Brutalität des Überlebenskampfes in die Zivilisation, in der wir heute leben. Selbst in den meisten Schwellenländern und Entwicklungsländern ist eine starke körperliche oder geistige Behinderung, ein Nachteil im eigentlichen Kampfring des Lebens, kein Todesurteil mehr. In der modernen Zivilisation sind die selektiven Regeln des Überlebenskampfes ausgesetzt und die Menschheit wird nicht mehr zur Auslese der Besten gezwungen – sicherlich zum Vorteil für den Einzelnen.

Hier spielt nun die Philosophie des Transhumanismus hinein. In der Neuverfilmung von “Ghost in a Shell” aus dem Jahre 2017 wird diese Idee des kybernetisch aufgewerteten Menschen der Zukunft in der jüngeren Vergangenheit der Kultur- und Filmwelt aufgegriffen. Basierend auf den Mangas “Ghost in a Shell” von Masamune Shirow, der eine fiktive Erde unseres Jahrhunderts beschreibt, in der die technologische Entwicklung es uns Menschen möglich macht unsere Körper artifiziell zu verbessern. Wir sehen derlei Ansätze bereits heute, wenn wir nur einen vorsichtigen Blick in Richtung Paralympics werfen, wo eigentlich Behinderte durch künstlich erschaffene Beinprotesten zu besseren Läufern werden, als ihre unversehrten Konkurrenten bei den normalen Leichtathleten. Die Technologie und Medizin verhilft uns zu einem verlängertem Leben und gleichzeitg verbesserter Leistungsfähigkeit. Im Bereich der Prothetik werden immer größere Fortschritte erzielt. Längst ist der Verlust von Gliedmaßen kein Ende des selbstbestimmten Lebens mehr. Vor allem das Militär erkennt den Nutzwert von guten Protesen, die es Soldaten erlauben werden weit über ihre eigentliche Verwendungszeit im Dienst zu bleiben, selbst wenn Arme und Beine verloren gehen. Die Armeen der Zukunft könnten ihre Kämpfer trotz schwerer Verwundungen noch lange einsatzfähig halten.

Perfektionierung des Menschen oder Klassengesellschaft?

In “Ghost in a Shell” hat sich die futuristische Gesellschaft in Ostasien dahingehend entwickelt, dass ein Großteil der Menschen versucht sich in die Vision einer transhumanen Menschheit einzukaufen. Wer Geld hat und konkurrieren will, muss seinen Körper modifizieren. Bessere Augen und Gliedmaßen gehören zum Standard. Längst ist die Medizin soweit fortgeschritten, dass nur noch das Gehirn des Menschen als Rest des Biologischen überleben muss, sodass das Bewusstsein oder das, was wir als Seele bezeichnen, in einen komplett künstlichen Körper eingebaut werden kann. Für den renomierten Politikwissenschaftler Francis Fukuyama, der durch seinen wissenschaftlichen Streit mit Samuel Huntington berüchtigt wurde, warnt vor seiner solchen transhumanistischen Gesellschaft. Demokratie und Gleichberechtigungen wären angesichts des immer größer werdenden Zwangs sich selbst zu modifizieren, um auf dem Arbeitsplatz zu konkurrieren, in größter Gefahr. Eine Oligarchie oder Diktatur der Optimierten würde drohen, die den Unmodifizierten in allen Belangen des Lebens überlegen wären. Ein “die oben” gegen “die unten” würde sich nur noch verstärken. Neue Unterschichten würden aus denen bestehen, die kein Geld oder keine Möglichkeit haben, um ihre Körper zu modifizieren. Die Technologie stünde nicht allen zur Verfügung, wäre womöglich sogar eine Prämie für die Priviligierten, die mit halbmenschlichen Funktionseliten und Häschern eine neue, totalitäre Kontrolle in einer durch und durch gläsernen Gesellschaft ausüben könnten.

Große Advokaten des Transhumanismus sind Google und Facebook, die von einer gläsernen Gesellschaft, die technische Kontrolle bis ins letzte Molekül des Menschen erlaubt, profitieren würden. Mark Zuckerberg, aber auch Elon Musk und viele weitere Techriesen glauben an die transhumane Zukunft, in der die Menschen ihre sterblichen Körper zurücklassen und Stück für Stück ihr Fleisch durch Maschinenteile ersetzen. Computerchips im Gehirn sind nur ein logischer Schritt hin zum ständig vernetzten Bürger eines digitalen Zeitalters, der weder Nationen noch Völker kennt und sich als Teileinheit einer neuen, globalen Klasse versteht: einer Art transhumanen Übermenschen.

In “Ghost in a Shell” wird der innere Konflikt einer modifizierten Frau thematisiert, die sich in einem Körper wiederfindet, der nicht ihrer ist und ansonsten rein künstlicher Natur ist. Ihre Seele bleibt menschlich, die Emotionen ein Überbleibsel des Gehirns, das von ihrem biologischen Körper übernommen wurde. Manche in unserer realen Welt glauben tatsächlich, dass die Zukunft einiger Menschen in der Transition zum Cyborg besteht. Und wenn das keine Dystopie ist, dann hat sie doch Potenzial eine zu werden, wenn man ihre schlimmsten Auswüchse nicht kontrolliert. Aufhalten lässt sich diese Entwicklung vermutlich nicht.

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