Merkel redet in Auschwitz. Und in Berlin treffen sich arabische Antisemiten

Am letzten Freitag besuchte Angela Merkel als dritter deutscher Kanzler das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz. Nur einen Tag später konnten sich arabische Antisemiten mit ideologischer Nähe zu Holocaust-Leugnern in Berlin weitgehend ungestört treffen. Das zeitliche Zusammentreffen ist sicher Zufall. Hier eine deutsche Bundeskanzlerin, dort die arabischen Antisemiten. Aber der Zufall bringt zusammen, was zusammen gehört.
Merkel betont in ihrerRede wieder und wieder, Auschwitz ein deutsches Lager gewesen. Sie redet davon, dass man zu Auschwitz schweigen müsse. Sie wirkt bewegt, als sie sagt: »Was hier geschah, lässt sich mit Menschenverstand nicht fassen.« Verweist auf die Verantwortung, die Deutschland trage. Und dann macht Merkel das, was viele deutsche Politikern seit Jahren eingeübt haben: Sie instrumentalisiert das Grauen von Auschwitz für ihre politischen Zwecke, wenn sie ausführt: »Denn wir erleben einen besorgniserregenden Rassismus, eine zunehmende Intoleranz, eine Welle von Hassdelikten. Wir erleben einen Angriff auf die Grundwerte der liberalen Demokratie und einen gefährlichen Geschichtsrevisionismus im Dienste einer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.« – Ein kalter, juristischer Terminus Technicus, der Merkel verrät.
Hat Merkel auch die Teilnehmer einesKongresses im Auge gehabt, die sich nur einen Tag später in Berlin–Moabit treffen werden ? Es sind Sympathisanten der Hamas. Eine Gruppe, die den Holocaust für die größte Lüge der Geschichte hält und Israel, wenn sie denn könnte, umgehend auslöschen würde. Unter den Organisatoren der Veranstaltung sind zwei Gruppen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Über den Kongress heißt es wörtlich: »Die seit 2003 jährlich in unterschiedlichen europäischen Ländern stattfindende Konferenz gilt als wichtigste Propagandaveranstaltung der Hamas in Europa.«
Erst im Juni trafen sich arabische Antisemiten ebenfalls in Berlin. Und auch im Juni wurde das Treffen nicht etwa verboten. Nein, der Berliner Regierende Bürgermeister Müller traf sich mit iranischen Antisemiten. Und auch diesmal wird der Innensenator das Treffen der Antisemiten nicht verbieten. Tagungssprache ist Arabisch. Also sieht der Innensenator Geisel, SPD, keine Möglichkeit, etwas dagegen zu unternehmen.
Merkel redet in Auschwitz und zugleich treffen sich wenige Kilometer von ihrem Amtssitz von den Behörden unbehelligt in Berlin arabische Antisemiten – man möchte meinen, die Geschichte hole Merkel schneller ein, als es viele erwarten. Vor lauter Erinnerung sieht die Kanzlerin nicht, wo die Gefahr für die deutschen Juden wirklich lautert – oder sie will es nicht sehen. Denn diese ihre Einsicht wäre mit einer weiteren Einsicht verbunden: Mit der Einsicht, dass die Willkommenskultur Deutschland im schlimmsten Fall dorthin zurückbringt, wo Merkel am letzten Freitag betroffen auch der ermordeten Juden gedachte.