Klimakeule: Deutschland wie immer am härtesten getroffen

Dürre, Überflutungen, schwere Stürme und Hitzewellen, Brände, toter Regenwald, Erdbeben und der Untergang von Inseln im Pazifik – die anlaufende Heißzeit fordert immer häufiger ihren Tribut. Zuletzt schienen Schlagzeilen aus Brasilien sogar darauf hinzudeuten, dass das südamerikanische Land vom Klimawandel am härtesten getroffen wird – zum Schaden der gesamten Menschheit, denn die verbrennenden Regenwälder setzten “erhebliche Mengen an klimaschädlichen Treibhausgasen frei” und das giftige Kohlenmonoxid breitete sich in der Folge “über Südamerika aus”, wie das Wissenschaftsmagazin der Spiegel berichtete.

Doch nur drei Monate später kommt nun zum Glück Entwarnung. Nach einer neuen Studie des Forschungsinstitutes der Entwicklungsorganisation Germanwatch haben die alljährlichen Regenwaldbrände Brasilien überhaupt nicht geschadet. Im Klima-Risiko-Index von Germanwatch liegt der südamerikanische Klimakrisenstaat in der niedrigsten Klimawandelfolgegefährungsklassen, gleichauf mit den ebenfalls weitgehend von Heißzeit, Starkregen und Klimafolgen verschonten Ländern Polen, Großbritannien, Kanada und Tschechien.

Wirklich hart getroffen von der mörderischen Klimakeule wurde dagegen Deutschland, schon bei der Ebola-Epidemie, beim rechtspopulismus und beim Atomunfall von Fukushima eine der weltweit am schlimmsten betroffenen Regionen. Im Katastrophenranking von Germanwatch zählte erstmals zu den drei am stärksten von Extremwetter betroffenen Staaten weltweit: Nirgendwo gab es sonst so verheerende Hitzewellen, Stürme und Dürren, Starkregen, Zugausfälle, Verspätungen und Laubfallvorfälle wie in Deutschland. Davor liegen nur noch Japan und die Philippinen, der Klimarisiko noch höher ist.

Einen solchen Spitzenplatz im Katastrophenranking holte Deutschland in der 14-jährigen Geschichte des Ländervergleichs noch nie, ganz vorn liegt die europäische Klimaführungsnation sogar bei der Zahl der Toten durch Klimaschäden: 1,5 von 100.000 Deutschen starben zuletzt durch Auswirkungen der Heißzeit. Nach Erkenntnissen von Germanwatch sind das 1230 Menschen, die die laxe Klimapolitik der Bundesregierung mit ihrem Leben bezahlen musste.n

Noch liegen im sogenannten Langfrist-Index, der die Jahre 1999 bis 2018 auswertet, Staaten wie Puerto Rico, Myanmar und Haiti vor Deutschland, doch die aktuelle Entwicklung deutet auf eine schnelle Aufholjagd Deutschlands. Germanwatch, ein eingeschränkt demokratischer Verein mit Sitz in Bonn erhält seine Zahlen vom Rückversicherer Munich Re mit Sitz in München, so dass eine Nähe zum gerade trendenden Klimanotstandsgebie Europa gegeben ist. Durch die Methodik des Vergleich vondurch Extremwetter verursachten Todeszahlen und Sachschäden nach Kaufkraftparitäten werden zudem Tote in Billiglohnländern geringer bewertet als solche in Hochlohnstaaten – Vorteil Deutschland, denn hier zählt jeder Klimatote im Vergleich mit einem in Bangladesh etwa zehnfach.

Die weltweite Erderwärmung lässt folglich darauf hoffen, dass Deutschland bald nicht mehr nur als Beispielgeber für Energieausstieg und Verkehrsende Mitmachsignale in alle Welt aussendet, sondern auch als Vorbild dafür, wie Extremwetter-Ereignisse weltweit massiv zunehmen, gerade die Deutschen aber einmal mehr besonders zu leiden haben.

Deutschland gilt heute schon als Beispiel für eine wachsende Zahl von Ländern, in denen ein einziges Klimaereignis so massive Schäden angerichtet hat, dass ganze Regionen viele Jahre für den Wiederaufbau benötigen. Vom Hochwasser 2013 hat sich der ehemals als hochtechnisiert und effizient bekannte Kernstaat der EU zum Beispiel bis heute nicht erholt. Viele Schutzprojekte sind immer noch nicht umgesetzt, andere noch nicht einmal begonnen. Arme Länder wie Deutschland, so Germanwatch, bräuchten nicht nur Hilfe bei der Anpassung an den Klimawandel, sondern auch die Hilfe der Weltgemeinschaft für unvermeidbare Schäden und Verluste.