Deutsche sollen länger arbeiten und mehr konsumieren

Junge Freiheit

Die deutsche Regierung solle darauf hinarbeiten, das Rentensystem auf eine wirtschaftlich schwierigere Zukunft vorzubereiten, so der Rat des Internationalen Währungsfonds (IWF) in seinen diesjährigen politischen Empfehlungen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel solle insbesondere über eine Rentenreform nachdenken, um die Lebensarbeitszeit des Durchschnittsbürgers zu verlängern. Auf diese Weise könnten die Arbeitnehmer länger in die Rentenkassen einzahlen und das Risiko der eigenen Altersarmut senken.

Mehr konsumieren, weniger sparen

„Wir wünschen uns, daß die Deutschen länger arbeiten“, sagte Julie Kozack, die Leiterin einer IWF-Delegation, die vor wenigen Tagen die zuständigen Ministerien in Berlin besucht hatte. „Das bedeutet aber nicht notwendigerweise, daß das gesetzliche Renteneintrittsalter steigen muß.“ Entscheidend sei vielmehr, daß das reale oder effektive Renteneintrittsalter steige, also das Alter, in dem Menschen tatsächlich in Rente gehen.

Während das Babyboom-Rentenvolumen in den letzten Jahren gewachsen ist, sind die deutschen Arbeitnehmer laut Erkenntnissen der Europäischen Beobachtungsstelle für das Arbeitsleben (EurWork) immer früher in Rente gegangen. Das Renteneintrittsalter liegt im Schnitt bei 63 Jahren.

In seinem Report fordert der IWF zudem mehr Transparenz. Die Bundesbürger sollten besser darüber infomiert werden, mit welchen Rentenzahlungen sie im Alter zu rechnen haben. Dies könne dazu beitragen, daß die Menschen mit weniger Unsicherheit in die Zukunft blicken, und – darauf hofft der IWF im Besonderen – heute mehr konsumieren und weniger privat sparen.

Der abnehmende Grenzwert jeder Ware ist die Triebfeder für Tauschgeschäfte

Seit langem fordern die Ökonomen des Fonds, den Konsum in Deutschland anzukurbeln, um den Leistungsbilanzüberschuß Deutschlands zu reduzieren. Die großen Unterschiede in den Handelsbilanzen der einzelnen Volkswirtschaften seien ein großes Risiko für die Weltwirtschaft.

Es mag in diesen Tagen populär sein, Ungleichgewichte in den Handelsbilanzen als entscheidend für Wohl und Wehe der globaisierten Ökonomie darzustellen. Doch es erscheint fraglich, ob dieses Argument wirklich so schwer wiegt, oder ob es nicht nur ein durch die Existenz von Zollstatistiken entstandenes Problem darstellt.

Es gilt seit jeher, im Binnen- wie im Außenhandel: Der abnehmende Grenzwert jeder Ware ist die Triebfeder für Tauschgeschäfte. Waren werden gegen Geld getauscht, bis es keinen Handel mehr gibt, den beide Partner gern abschließen würden.

Die globale Handelsbilanz ist entscheidend

Von Bedeutung ist – wenn überhaupt – die globale Gesamtbilanz und nicht der mögliche Bilanzüberschuß eines einzelnen Landes. Hier lagen bereits die Merkantilisten des 18. Jahrhunderts falsch. Heute wie damals geht es in Wahrheit um Sonderprivilegien und Handelsbeschränkungen auf Kosten effizienter Wettbewerber und Verbraucher.

Und daß der IWF deutsche Arbeitnehmer nun einige Jahre länger im Hamsterrad laufen lassen möchte, anstatt, zwecks privater Altersvorsorge, über langfristig erfolgreiche Anlagestrategien auf den Finanzmärkten zu informieren, verdeutlicht nochmals in besonderer Weise den wahren Stellenwert des Einzelnen in dieser Debatte.

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