Streit um Werteunion spaltet CDU

Konservativ zu sein wird hierzulande von Mainstreammedien und der Mehrzahl der Altparteienvertreter abwertend betrachtet. Der Begriff wird mitunter sogar als diffamierend oder gar beleidigend benutzt. Dabei ist Konservatismus nichts anderes als eine werterhaltende Politik – und es gibt in diesem Land (noch) sehr viele Werte, die es zu erhalten in der Tat wert sind.
Allerdings hat Merkel ihrer einst konservativen CDU einen strammen Linkskurs verordnet und Kritiker an dieser neuen Richtung konsequent ausgebootet. Dennoch hat sich ungeachtet der großen Reinigungswelle durch die einst mächtige Vorsitzende eine Gruppe Politiker zusammengefunden, die sich für eine Rückkehr zum Konservatismus ausspricht: die Werteunion.
Merkeltreue machten im Vorfeld des CDU-Parteitages medial mobil gegen die Werteunion und diffamieren die Gruppe insgesamt und einzelne Mitglieder persönlich. Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien ist eine solche Merkeltreue. In einem Interview mit derWelt lehnt sie sich sehr weit aus dem Fenster und wirft der Gruppe parteischädigendes Verhalten vor. Damit ist aber die Spitze der Angriffe gegen Mitglieder der eigenen Partei für Karin Prien noch längst nicht erreicht. Wer sich in der CDU engagieren will, so sieht es Frau Prien, der »sollte das in der Breite unserer Partei machen, nicht in dieser Sektierertruppe.«
Frau Prien war bis September Vertreterin der »Union der Mitte«, gehört also zu den Parteimitgliedern, die eine Annäherung der CDU an die mehrfach umbenannte SED nicht kategorisch ablehnt. Gemeinsame Sache mit der Partei zu machen, die die Mauer errichten und Menschen, die sich dem Unrechtsregime der SED entziehen wollten, erschießen ließ, ist für Frau Prien offensichtlich in Ordnung. Die Rückkehr der eigenen Partei zu ihren Wurzeln aber ist für diese »Dame« ein Zeichen der Sektierung.