Innenpolitische Rundschau: Rauchverbot verlagert Kunden vom Wirt zum Psychologen…

Österreich ist die kleine Welt, in der die große ihre Bühne hält. In diesem Sinne möchte der Verfasser dieser Zeilen anstatt einer geopolitischen Rundschau eine innenpolitische Rundschau halten.

Schlagzeile einer vormals konservativen Tageszeitung: Die Demontage der Psychologie. Untertitel: Für Wiens Psychologen ist die Versorgung der Bevölkerung in den Krankenhäusern kaum noch aufrechtzuerhalten. Von der Stadt und der Gewerkschaft fühlen sie sich im Stich gelassen.

Der Verfasser dieser Zeilen verbringt im Torbergschen Sinne viel Zeit in Lokalen. In den letzten Wochen wurde sehr oft das Thema Rauchverbot thematisiert. Dies könnte damit im Zusammenhang stehen, dass man im Lokal die Frage stellt, ob jemand einen nach Draußen begleiten möchte, um eine Zigarette zu rauchen. Es könnte auch damit im Zusammenhang stehen, dass die draußen Rauchenden sich darüber unterhalten, dass sie draußen rauchen müssen.

In jedem Fall hat das Gesetz seinen Zweck erfüllt. Gesprächsthema Nummer eins im Lokal ist das Rauchverbot. Gesprächsthema Nummer eins vorm Lokal ist das Rauchverbot.

Die Versorgung der Bevölkerung mit Psychologen ist dem Verfasser dieser Zeilen noch nie als drängendes Thema untergekommen. Trotz zehn Jahren in Wien und sechs Jahren in Linz, wo man mit der Nachfrage nach Psychologen eher rechnen würde.

Conan Doyle, dem Erfinder Sherlock Holmes, verdanken wir folgende Weisheit: Wenn alle logischen Möglichkeiten ausgeschlossen sind, muss die unlogische Möglichkeit, wenn zugleich auch unmöglich, unweigerlich richtig sein.

Die Nachfrage nach Psychologen verhält sich parallel zur Anzahl verschwindender Wirte bzw. rauchverbietender Wirte ansteigend. Oder wie es Christoph Leitl einmal formulierte: Ein Wirt ersetzt drei Psychologen.

Dem Finanzminister stellt sich ungeachtet der psycho-sozialen Volkshygiene nur eine Frage: Wer bringt mehr Steuereinnahmen: Der Psychologe oder der Wirt… Wir werden sehen. Propagandistisch hat der Bundeskanzler gewonnen. Taktisch. Strategisch…?

Der Verfasser dieser Zeilen kann diesbezüglich mit einer persönlichen Erfahrung aufwarten. Paartherapie. Eine Stunde Vorwürfe. Kein Unterschied zu sonst. Der Attackierte möchte zu seiner Verteidigung ansetzen. Psychologe: Danke sehr. Ich schicke Ihnen dann den Erlagschein. Das ist der Unterschied zu sonst. Die überwiesene Summe wäre beim Wirt effizienter ausgegeben gewesen.

Oder der ältere Herr, der seine weitere Fahrtauglichkeit unter Beweis stellen muss. Was dem Verfasser dieser Zeilen übrigens beim Wirt erzählt wurde. Anstatt seine Fahrtauglichkeit unter Beweis zu stellen, musste er Dutzende lächerliche Fragen beantworten. Im Zuge einer Unmutsbekundung wurde ihm die Frage gestellt, ob er öfters unter derartigen Panikattacken litte. Er zog es vor die Frage zu verneinen und den Rest seiner Phantasie zu überlassen.

Jedenfalls wurde der Verfasser dieser Zeilen im Lokal oftmals Zeuge im Hinblick auf störrische, selbstgerechte, arrogante, versagende Ämter und Behörden. Auch oftmals Zeuge über wochenlange Wartelisten bei Ärzten. Wochenlange Wartelisten bei Untersuchungen. Wochenlange Wartelisten bei Operationen. Teilweise sogar monatelang.

Aber niemals, wirklich niemals, Zeuge einer Person, welche sich darüber beklagt, dass sie auf einen Termin beim Psychologen warten müsste…

Unterdessen schreiten die Koalitionsverhandlungen voran. Der Termin der Steiermarkwahl nähert sich ebenso unerbittlich wie unabwendbar. Parallel hierzu wird der Casino-Vorstands-Posten-Skandal erneut thematisiert. Es gibt nichts über unterhaltsame Ablenkungen. Aber wären die Chat-Protokolle von Kurz nicht ebenso unterhaltsam wie die von Strache. Oder noch mehr…

[Autor: G.B. Bild: www.wikipedia.org/Ein Dahmer Lizenz: CC BY-SA 4.0]

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