Wer wählt eigentlich die AfD?

Eine Legende über die AfD geht so: Das sind Leute, die schlecht gebildet sind, wenig verdienen oder gar keinen Job haben, und sagen, Deutschland zuerst, Ausländer sollen nicht das bekommen, was ich auch bekomme.
Das stimmt aber nicht so wirklich.

Wenn man sich mal die Wählerstruktur der AfD bei den letzten Wahlen anschaut, stellt man fest, die Hauptwählerschaft der AfD besteht nicht aus Arbeitslosen oder aus Menschen mit einem niedrigen Einkommen, sondern aus Menschen, mit einem mittleren Bildungsabschluss und einem mittleren Gehalt. Sie verdienen nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel.

Allerdings kommen sie aus bestimmten Berufsgruppen. Es sind vor allem Arbeiter, Facharbeiter, Selbstständige, Menschen, die zweifeln, ob es so weitergeht wie bisher. Die Angst haben, sozial abzurutschen, denn es könnte sich ja was ändern.  

Mirko alias MrWissen2go | 6. November 2019 | YouTube

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Mirko hat vier Gründe für die Wahlerfolge der AfD gefunden:

1. AfD-Wähler waren politikverdrossen
Mirko: „Keine andere Partei konnte in den letzten Jahren so viele Stimmen von Nichtwählern abstauben. 118 000 in Brandenburg, 81 000 in Thüringen und eine Viertelmillion in Sachsen“.
Heute seien sie allerdings nicht mehr politikverdrossen, sonst würden sie nicht zur Wahl gehen, meint Mirko.
Alles richtig. Es ist aber davon auszugehen, dass sich die Stammwählerschaft der AfD grundsätzlich mehr für Politik interessiert als die der Altparteien (mit Ausnahme der Wähler der Linken vielleicht).    

2. AfD-Wähler kommen aus strukturschwachen Gegenden 
Ist was dran. Leider. Liegt an der jahrzehntelangen Hirnwäsche im Westen. Denn gerade in Hamburg, Bremen, Berlin, Köln und so weiter, dort also, wo es richtig brennt, müsste die AfD längst auf 30, 40 Prozent stehen.

3. Die AfD wird eher von Männern gewählt 
Stimmt leider auch. Mirko: „In Thüringen haben 28 Prozent der Männer ihr Kreuz bei der AfD gemacht, aber nur 17 Prozent der Frauen. Und bei der Bundestagswahl haben fast doppelt so viele Männer als Frauen die AfD gewählt.“
Runtergebrochen liegt das daran, dass Frauen Schisser sind. Evolutionsbedingt.  Auf diese ebenfalls sehr spannende Frage gehen wir hier auf 1984 die Tage näher ein.

Allerdings muss man auch hier mit einem Klischee aufräumen: Nämlich mit der Behauptung, die AfD wäre die Partei der sogenannten alten, weißen Männer.
Männer, ja, aber der alten weißen, nein. In Westdeutschland vielleicht schon, in Ostdeutschland überhaupt nicht. Schaut man sich zum Beispiel die Zahlen der Wahl in Thüringen an. Dort sieht man, die AfD war vor allem bei unter 60-jährigen Wählern die stärkste Kraft.
In allen Altersgruppen hat die AfD am besten abgeschnitten, nur bei den über 60-Jährigen, den alten, weißen Männern also, nicht.  

Mirko alias MrWissen2go | 6. November 2019 | YouTube

4. Die politische Einstellung
Bei diesem Punkt schwächelt Mirko ein bisschen. Was nicht wundert, schließlich zitiert er Manfred Güllner, einen AfD-Hasser vom Meinungsforschungsinstitut Forsa.
Aber gut, im Großen und Ganzen ist Mirkos Analyse halbwegs ausgewogen. Mehr war von einem öffentlich-rechtlichen Knecht nicht zu erwarten.