Boliviens Ex-Präsident Morales auf dem Weg nach Mexiko

Bolivien erklärte sich im Zuge der südamerikanischen Unabhängigkeitskriege im Jahr 1825 für souverän, verlor im Laufe diverser Kriege bis 1938 etwa ein Drittel seines ursprünglichen Staatsgebietes an die Nachbarn, darunter auch den Zugang zum Pazifik, und gilt heute als das ärmste Land Südamerikas. Das Bruttoinlandsprodukt liegt bei unter 3.600 US-Dollar. Damit rangiert das Land auf Platz 125 in der Weltrangliste.
Laut der neuen Verfassung aus dem Jahr 2009 darf der Präsident nur einmal wiedergewählt werden. Weil der damalige Präsident Evo Morales sich aber 2014 bereits zum wiederholten Male kandidierte, kam es zu ersten Unruhen und zu scharfer Kritik seitens der Opposition. Dennoch blieb es damals relativ ruhig. Als Morales jedoch auch dieses Jahr im Oktober wieder kandidierte und sich nach der Wahl trotz mannigfach nachgewiesener Betrügereien bei der Stimmenauszählung zum Wahlsieger erklärte, war das der bekannte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die Opposition wie auch die Bürger begehrten laut auf und sowohl Wirtschaft wie auch Militär und Polizei wollten diesen Verfassungsbruch nicht mehr widerstandslos hinnehmen.
Massive Demonstrationen und Proteste gegen Morales und seine Regierungsclique durchzogen das Land. Letztlich gab Morales klein bei, trat von seinem Amt zurück und floh nach Mexiko. Doch damit sind die Probleme Boliviens alles andere als gelöst. Zwar hat Übergangspräsidentin Jeanine Añez nach der Flucht Morales´ Neuwahlen angekündigt, doch ob damit ein Ende der Proteste einhergehen wird, ist mehr als zweifelhaft. Anhänger und Gegner Morales´ waren in den letzten Wochen mehrfach schwer aneinander geraten, bisher sind drei Todesopfer zu beklagen.