Den neunten November feiern wir mit Israelkritik!

Von Max Roland | Der 9. November. Tag des Mauerfalls, Tag des Pogroms. Ein normales Volk würde einen seiner größten Erfolge feiern und an die Opfer eines seiner dunkelsten Tage erinnern. Blöd nur, dass wir in Deutschland sind, wo leider kaum etwas normal ist. 

Am 9. November fand in Berlin eine vom ZDF übertragende Show statt, die dem Mauerfall gewidmet war. Veranstaltet wurde die Show von der „Kulturprojekte Berlin GmbH“, einer Firma im Besitz des Landes Berlin. Beim Auftritt einer Sängerin wurden durch die Veranstalter Sprüche und Bilder auf der Bühne eingeblendet, die irgendeinen Bezug zu Protestbewegungen hatten. Einer der eingeblendeten Slogans war auf hebräisch. Übersetzt stand da: „Schluss mit der Besatzung“ oder „Genug mit der Besatzung“.  ÖR-Rundfunk und das Land Berlin nutzen so die Möglichkeit, am neunten November ein Statement nach Jerusalem zu senden – wie sensibel und passend.

Remko Leemhis, der geschäftsführende Direktor des American jewish Comittee (AJC) in Berlin, nannte den ungeheuerlichen Vorgang „unglaublich“ und „erklärungsbedürftig“. Die Worte sind noch behutsam gewählt – die Perversion dieser Showeinlage offenbart sich mit einem Blick auf das Datum. Der Tag der Reichspogromnacht wird in der einstigen Hauptstadt des Verbrechens mit einem Seitenhieb gegen den Judenstaat begangen. 

 Die peinliche, pathologische Fixierung der deutschen auf Israel als mehr oder weniger heimliches Hassobjekt führt dazu, dass wir selbst eine Feier zum Mauerfall antiisraelisch konnotieren müssen.