Südtirol: Aufregung um Telefonbuch mit Bozner Siegesdenkmal

In Südtirol gehen die Wogen hoch, weil das aktuelle regionale Telefonbuch auf seinem Titelbild das während des italienischen Faschismus erbaute Siegesdenkmal abbildet.

Bozen. – Die regionalpatriotische Süd-Tiroler Freiheit (STF) ist außer sich wegen der Verwendung des Siegesdenkmals „auf einer Ebene” mit dem Bozner Dom am Umschlag der Weißen Seiten. Ihrer Ansicht nach führe die „jahrzehntelange Relativierung und Beschönigung der faschistischen Relikte” dazu, dass viele Menschen dieses überhaupt als Wahrzeichen der Landeshauptstadt an Etsch und Eisack wahrnehmen würden.

Thaler vermisst „notwendige Sensibilität”

In einer Aussendung bezeichnet die Partei die Gestaltung des Umschlags des neuen Telefonbuchs als „äußerst geschmacklos”. Gerade ein Herausgeber eines öffentlichen Telefonverzeichnisses solle nämlich „die notwendige Sensibilität” haben, nicht mit einem „faschistischen Propagandabau” zu werben, so Werner Thaler, Leitungsmitglied der Südtiroler Freiheit.

Siegesdenkmal: Süd-Tiroler Freiheit fordert Entfernung

Das Bauwerk verherrliche ein „menschenverachtendes Regime” und richte sich „in beleidigender Form gegen die deutsch- und ladinischsprachige Bevölkerung”. Seine Partei bleibe bei der Forderung, dass das Denkmal überhaupt entfernt werden müsse, da alle Versuche der Neuinterpretation gescheitert seien.

Dessen „rassistische Inschrift” verkörpere jedenfalls „die faschistische Ideologie in Perfektion”. Es stelle eine „Beleidigung für die Südtiroler” dar, bleibe „Ausdruck eines Kulturverbrechens und der Geschichtsfälschung”. In dieser Hinsicht habe es bis heute „nichts von seiner Bedeutung verloren”, so Thaler weiter.

Kontroverses Bauwerk mit umstrittener Inschrift

Das Siegesdenkmal nach Entwürfen des römischen Architekten Marcello Piacentini steht seit 1928 zentral in Bozen am Standort des unvollendeten Kaiserschützendenkmals und erregt seit seiner Errichtung die Gemüter. Die Säulen des Prunkbaus haben die Form des Liktorenbündels, welches als Parteisymbol von Mussolinis Partito Nazionale Fascista (PNF) diente. Ab 1926 fand es sich letztlich auch im italienischen Staatswappen wieder.

Für besonderen Unmut sorgen dabei öfter die lateinischen Inschriften, die in Richtung Norden zeigen. Gerade der Teil, dass man von den „Grenzen des Vaterlandes” aus „die Übrigen durch Sprache, Gesetze und Künste” gebildet hätte, gilt bei Vertretern der deutschsprachigen Bevölkerungsmehrheit in der autonomen Provinz als direkter Affront gegen das eigene Volkstum.

Mehrere faschistische Baudenkmäler in Südtirol

Die Erhaltung monumentaler Bauwerke aus jener Epoche ist seit vielen Jahren ein zentrales Element der öffentlichen Identitätsdebatte. Ein Beispiel ist etwa der sogenannte „Kapuziner-Wastl” in Bruneck, der an jene Alpini erinnert, welche in Äthiopien für Italiens Kolonialbestrebungen kämpften. In Gossensaß, Innichen und Burgeis finden sich zudem sogenannte Beinhäuser im Andenken an italienische Gefallene des ersten Weltkriegs.

Eine breitere Weltöffentlichkeit nahm bereits 1961 Notiz der eskalierenden Debatte, als Mitglieder des Befreiungsausschusses Südtirol im Schutz der Nacht in Waidbruck ein überlebensgroßes Reiterstandbild mit den Gesichtszügen Mussolinis („Aluminium-Duce”) sprengten. Auch das Siegesdenkmal in Bozen wurde 1978 zum Ziel eines Anschlages mit Dynamit, konnte aber erhalten werden. Gegenwärtig steht es unter Denkmalschutz.

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