Verbrennerverbot: Nehmt dem Volk die Klimakillerkarren!

Zuletzt bemühte sich der staatliche Volkswagenkonzern, ein wirklich verlockendes Angebot zu machen: Der ID 3 kostet nur verführerische 40.000 Euro und kann mit einer Akkuladung beinahe von Osnabrück bis Hannover und zurück fahren, zumindest nach Werksangaben. Nach der Bundesregierung, für die Elektromobilität der Schlüssel zur Klimarettung ist, hat auch der VW-Vorstand beschlossen, dass dieses Angebot unwiderstehlich ist und einen Markterfolg garantieren wird, wie ihn einst Käfer und Golf feierten.

Nur die Kunden tun sich noch schwer mit dem “Volks-Elektrowagen”, der trotz E-Autoprämie in sechs Monaten nur 30.000 Vorbesteller fand. Im selben Zeitraum verkaufte VW fast dreimal so viele herkömmliche VW Golf mit Verbrennungsmotor, die nach der durchschnittlichen Standzeit solcher Auto-Dinos noch in zehn Jahren dazu beitragen werden, die Erde untergehen zu lassen.

Zeit für die Bundesregierung, hier nachzuschärfen und regulierend einzugreifen. Wenn eine neue Technik Kunden nicht zu überzeugen vermag, dann, so zeigt es die Geschichte, können Verbote helfen, Verbraucher davon zu überzeugen, dass die Nachteile hingenommen werden müssen.

Ein Kommentar von PPQ-Kolumnistin Svenja Prantl.

Svenja Prantl fordert, ihr ihren geliebten Verbrenner wegzunehmen.

Die Regierung bemüht sich, die Firmen liefern, nur die Kunden wollen nicht so recht. So ist sie, die Lage an der deutschen Elektroautofront, in der vordersten Verteidigungslinie des globalen Klimakampfes. Strom, so hat es die große Koalition beschlossen, soll eines nicht allzu fernen Tages nicht nur noch teurer sein, sondern auch alles antreiben, was in Deutschland Energie benötigt: Licht und Kühlschränke, Handys und Fernseher, Heizungen und Fahrzeuge. Dazu hat die Bundesregierung eine weitgehend kluge und weit in die Zukunft reichende Strategie beschlossen, die die höchsten Strompreise der Welt mit Elektroautoangeboten staatlicher und privater Firmen auf eine Weise kombiniert, dass immer neue Autogipfeln mit immer neuen Masterplänen Schlagzeilen machen, die die Autofahrer weg von der Zapf- und hin zur Ladesäule bewegen sollen. Ehe alle Teilnehmer in ihre traditionellen Verbrenner steigen und zurück an ihre regulären Arbeitsplätze fahren.

Schon heute steht für jeweils fünf E-Autos eine Ladestation zur Verfügung, die 97 Prozent der Zeit nicht genutzt wird. Jetzt reagiert die Bundesregierung auf den Notstand: Mit dem “Masterplan Ladeinfrastruktur” sollen 980.000 zusätzliche Ladepunkte geschaffen werden, so dass bei gleichbleibendem Verkaufserfolg 2030 jedes Elektrofahrzeug über seine eigene Ladestation verfügt. Eine Rechnung, die das grundsätzliche Problem offenbart: So lange sich Bürgerinnen und Bürger ungestraft weigern können, den notwendigen Wandel hin zur Elektromobilität für sich selbst mitzuvollziehen, muss jeder Versuch scheitern, mit mehr Ladepunkten und höheren Prämien ein Einsehen herzustellen.

Nein, dies wird nicht fruchten. Bisher ist das Umerziehungsprogramm der Regierung vom Glauben geprägt, man könne ein Kind von Süßigkeiten entwöhnen, in dem man ihm gesunde grüne Gurke, Kopfsalat und Wirsingkohl als Alternative anbietet. Dem Kind wird sich nicht erschließen, warum es die süße Verlockung aufgeben soll, um Grünzeug zu essen, das aus sich selbst heraus nach nichts schmeckt. Ebenso geht es den Fans der Ölverbrennung: Bloß weil man seinen E-Wagen überall laden kann, wird niemand sich einen zulegen, wenn er weiß, dass er künftig tatsächlich etwa hundert Mal mehr Zeit mit Tanken verbringen wird als bisher. Ohne Chance, den Zeitverlust beim Fahren aufzuholen, denn elektrisch unterwegs zu sein, bedeutet, eher langsam voranzukommen.

Nein, es kommt nicht nur auf die Zahl der Ladepunkte an. Und nein, auch nicht auf die Kaufprämie. Selbst die Vereinfachung des Stromtankens durch eine staatliche Lade-App nach dem Vorbild der berühmten Gesundheitskarte mit einem transparenten Preissystem, das Elektroautofahrer mit den höchsten Strompreisen der Welt versöhnt, wird nicht helfen, so lange Elektromobilität darunter leidet, nicht vollständig ausgereift zu sein.

Es braucht ernste und radikale Schritte, um zu überzeugen, Schritte, wie sie seinerzeit mit dem – übrigens weltweiten – Verbot von Flourchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) gegangen wurden. Erst durch die FCKW-Halon-Verbots-Verordnung, die Kühlschränke mit FCKW-haltigen Kühlmitteln verboten, bekamen grüne Alternativen eine Chance, weil Konsumenten die Möglichkeit genommen wurde, klimaschädliche Alternativen zu kaufen.

Das muss der Ansatz sein, Autokäufer beim Aufbau einer Elektrofahrzeugflotte für Deutschland in die Pflicht zu nehmen: Der entscheidende Anreiz, den die Bundesregierung jetzt setzen muss, ist ein bindendes Verkaufsverbot für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, terminiert vielleicht auf den 1. Januar 2020. Kombiniert die GroKo diese dringend gebotene Maßnahme mit der Festlegung eines gesetzlich vorgeschriebenen Enddatums, nach dem der Betrieb von Fahrzeugen mit Benzin- oder Dieselantrieb strafbar wird, sollte das den notwendigen Schub geben, Menschen millionenfach davon zu überzeugen, dass es höchste Zeit ist, die eigene Verantwortung für das Weltklima wahrzunehmen.

Alles andere ist Augenwischerei. So lange Elektroantriebe technisch nicht ausgereift sind und im Betrieb zahlreiche winzige Nachteile im Vergleich zu traditionellen Antriebsarten offenbaren, wären Prämien oder Steuervorteile nur dann ein echter Anreiz, wenn sie das E-Auto in der Anschaffung und im Betrieb so viel deutlich günstiger machen als einen Verbrenner, dass zumindest Sparfüchse und überzeugte Klimakämpfer sich einen Vorteil davon versprechen, all die Nachteile zu ertragen. Alle Offerten darunter sind nur Kosmetik. Und bei der Plastiktüte geht es doch auch!

Der Mensch will nicht überzeugt, er will erzogen werden. Man darf ihm nicht die freie Wahl bieten und hoffen, dass er sich klimaverantwortlich entscheidet, sondern man muss ihm die Peitsche zeigen, die Kandare, muss ihn packen, so dass er nicht ausweichen kann. So lange den Regierungsverantwortlichen der Mut fehlt, den Verbrenner mit allen Konsequenzen zu beerdigen, werden weiter zu wenige Autokäufer umschalten und Klimakillerkarren – 42 Millionen sind es in Deutschland! – unsere Erde weiter unerträglich aufheizen, bis zu spät ist.