Vor Briten-Wahl: Von Unmenschlichkeit und Humorlosigkeit

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Jedoch scheint es, dass die Untertanen ihrer Majestät im Begriff stehen, sich selbst ein geeignetes Weihnachtsgeschenk zu bescheren. Jüngst wurden drei Umfragen veröffentlicht, wo Boris Johnsons Konservative ihren Vorsprung vor Labour deutlich ausbauen konnten. Die Tories liegen in den Umfragen zwischen 39 und 41 Prozent. Corbyn kann im Moment mit einer Zustimmung um die 25 Prozent rechnen. Die Liberaldemokraten dürfen mit einem Ergebnis unterhalb der 20-Prozent-Marke rechnen.

Das britische relative Mehrheitswahlrecht ermöglicht somit eine deutliche Regierungsmehrheit für Johnson. May konnte 2017 Stimmen gewinnen und verlor Mandate. Johnson ist im Begriff, Stimmen und Mandate zu gewinnen.

Im laufenden Wahlkampf ist er im Begriff sich aufzuwärmen. In einem Kommentar sprach er davon, dass Corbyns neidvolle Jagd auf erfolgreiche Unternehmer ihn daran erinnere, wie Stalin seinerzeit die Kulaken verfolgte. Linke Medien, die sich wiederholt eines der schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte schuldig machen – nämlich der Humorlosigkeit – zitierten Johnson natürlich unvollständig. Dort war lediglich die Rede davon, dass er Corbyn mit Stalin vergleiche.

Aber Johnson wäre nicht Johnson, fände er nicht eine geeignete Antwort. In diesem Fall einen Zugriff auf Discovery Channel: Die Linke erinnere an eine Anakonda, die sich beim Verschlingen eines Tapirs übernimmt.

Unterdessen übt man sich am Kontinent in der Theatralik, der Neurologie sowie des „Social Media“-Chargons. Macron diagnostiziert der NATO den Hirntod. Ein Angelsachse würde vielmehr vom Muskelschwund sprechen. Schließlich steht Amerika im Vergleich zu Europa, wie Rambo und Terminator im Vergleich zu Pierre Richard und Otto Waalkes. Wo bleiben Jean Reno und Götz George?

Oftmals beklagt man sich darüber, dass der Brexit das Ergebnis einer emotionalen Debatte war, unter Ausblendung ökonomischer Argumente.

Würde eine erneute Abstimmung stattfinden, so müsste man diese unter dem Aspekt des Humors betrachten. Ein Ausscheiden aus der EU ist gleichbedeutend mit der Rettung des britischen Humors. Oder kann sich jemand Honeckers Erben dabei vorstellen, wie sie über Monty Python lachen…

P.S.: Pierre Richard und Otto Waalkes bekommen humoristisches Asyl auf den britischen Inseln.

[Autor: G.B. Bild: www.wikipedia.org/Mайкл Гиммельфарб (Mike Gimelfarb) Lizenz:  -]

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