Neue Regeln für Heringe und DorscheAfD sieht durch neue EU-Fangquoten Fischer in ihrer Existenz bedroht

SCHWERIN. Die AfD sieht in den verschärften EU-Fangquoten für Heringe und Dorsche die deutschen Fischer in ihrer Existenz bedroht. „Unseren Küstenfischern wird damit die Lebensgrundlage entzogen“, beklagt der fischereipolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Dirk Lerche, gegenüber der JUNGEN FREIHEIT. Dabei gehe es „um dringend benötigte Arbeitsplätze“ und „ein wichtiges Kulturgut“.

Doch zeigt sich Lerche durchaus kompromißbereit und offen für einen Ausgleich zwischen Tierschutz und Wirtschaft. Sein Vorschlag: „Wir plädieren für eine Entspannung der Quoten mit der Einschränkung, daß die Schonzeiten verlängert werden: Das Mindestmaß bei Dorschen sollte auf 45 Zentimeter angehoben werden, um Jungtiere zu schonen. In der Schonzeit vom 1. Februar bis 31. März sollte ein ausnahmsloses Fangverbot bestehen.“

Auch Hobbyangler betroffen

Für Lerche geht es dabei nicht nur um die Fischer, sondern auch um „Heimat und Tradition“. Mit den Küstenfischern würden auch die Räuchereien und damit „das gute frische leckere Fischbrötchen am Ostseestrand der Vergangenheit angehören“, befürchtet er. Dies dürfe nicht „Brüsseler Bürokraten geopfert werden“.

In der Nacht auf Dienstag hatten sich die für Fischerei zuständigen Minister der EU-Mitgliedsländer auf eine Senkung der Fangquoten für Hering und Dorsch geeinigt. Beim für Deutschland wichtigen Hering soll die Fangmenge um 65 Prozent sinken, beim Dorsch sind es 60 Prozent.

Auch Freizeitfischer sind von der neuen Richtlinie betroffen. Sie sollen künftig nur noch fünf statt sieben Exemplare pro Tag angeln dürfen. Im Februar und März sind nur zwei pro Tag erlaubt.

EU-Kommission prüft Hilfen

EU-Fischereikommissar Karmenu Vella räumt ein, daß mit der Maßnahme „ernste, kurfristige Wirtschaftsfolgen für einige Fischer“ verbunden seien. Allerdings werde die Kommission Hilfsmöglichkeiten prüfen. Die Umweltorganisation WWF kritisierte die beschlossenen Fangmengen als nach wie vor zu hoch. Die Organisation hätte sich einen kompletten Fangstopp gewünscht. „Mit einem kollabierenden Ökosystem kann man keinen Kompromiß schließen“, warnt die Fischereiexpertin des WWF Deutschland, Stella Nemecky. (tb)