In eigener SacheFrankfurter Buchmesse isoliert unbequeme Verlage

BERLIN/FRANKFURT. Die Leitung der Frankfurter Buchmesse bildet auch in diesem Jahr für „rechte“ Verlage eine Sackgasse, wie durch Medienberichte jetzt bekannt wurde. Dieter Stein, Geschäftsführer und Chefredakteur der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT aus Berlin, erklärt dazu:

„Wir sind überrascht davon, daß die Leitung der Frankfurter Buchmesse erneut eine ghettoartige Sackgasse für ‘rechte’ Verlage bildet. Unser Verlag hat sich nur unter der Bedingung angemeldet, daß es nicht erneut zu dieser offensichtlich diskriminierenden Situation kommt. Wir hatten die Messe aufgefordert, für Standplazierungen zu sorgen, die Aussteller gleich behandelt. Es ist skandalös und ein Armutszeugnis für die traditionsreiche Verlagsmesse, wie sie hier erneut mit politisch unbequemen Verlagen umgeht.“

Der JF-Chefredakteur fordert die Messeleitung auf, umgehend die Seiten der Sackgasse wieder zu öffnen und wenigstens freien Besucherverkehr zuzulassen.

Im Vorjahr war es zu breiter Kritik an der Praxis der Messe gekommen:

  • Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schrieb in einem Kommentar von einem „begehbaren Giftschrank“ und schloß: „Die diskriminierende Absicht hinter der kühlen Behandlung ist offenkundig. Jeden Messebesucher müßte es frösteln.“

  • Die FAZ urteilte: „Niemand erwartet eine Vorzugsbehandlung für rechte oder linke oder sonstwie umstrittene Verlage, aber eine offensichtliche Benachteiligung kann nur begrüßen, wer sich seiner eigenen Liebe zur Meinungsfreiheit nicht so ganz sicher ist.“
  • Die Zeit bezeichnete die Plazierung der JF als „raumgewordenen politischen Katzentisch“. Der Messeleitung gehe es nicht nur um Sicherheit, sie wolle auch „Haltung zeigen“. Eine solche „Form der Diskurshygiene von oben“ irritiere. Es sei nicht einzusehen, warum die JF in einer Sackgasse verschwinden solle.

Standprogramm der JF auf der Frankfurter Buchmesse 2019