Neue Bettelkultur in Merkel-Deutschland

Früher waren Touristen über die Armut in Ländern wie Indien oder Ägypten schockiert. Man sah Menschen, die in Müllbergen nach etwas Essbarem suchten, bettelten oder für jede kleine Tätigkeit ein Trinkgeld verlangten, weil sie sonst nicht über die Runden kommen.
In Ägypten hat sich seit vielen Jahrzehnten eine Bakschisch-Kultur entwickelt. Bakschisch ist eine Form des Trinkgeldes für Dienstleistungen selbst kleinster Art. Man kann durch kaum eine Tür gehen, ohne dass sie einem (gegen Bakschisch) aufgehalten wird. Man kommt in Ägypten nicht weit, ohne ausreichend Kleingeld in der Tasche zu haben, das man bei jeder Gelegenheit jemanden in die Hand drücken kann.
Aus Deutschland kannte man so etwas nicht. Doch das hat sich grundlegend geändert.
Berlin 2019: Man kann in kaum eine Bank gehen, ohne dass ein Bettler oder Obdachloser die Tür aufhält und dafür Trinkgeld verlangt. Man kann mit keiner S-Bahn oder U-Bahn mehr fahren, ohne dass man angebettelt wird oder die Obdachlosen-Zeitung zum Verkauf angeboten wird. Die Frage, ob man mal einen Euro übrig habe, gehört zum Hintergrundrauschen einer typischen deutschen Großstadt.
In deutschen Großstädten wie Berlin, Frankfurt, Hamburg oder Bremen ist jetzt schon fast so normal wie in Ägypten, dass man tagtäglich um Geld angebettelt wird oder Kleinstdienstleistungen gegen Trinkgeld angeboten werden. Man steht in Frankfurt im Verkehrsstau oder an der roten Ampel, und schon kommen Jugendliche und wischen die Windschutzscheibe, um anschließend »Bakschisch« zu bekommen. Ob Frankfurt oder Kairo: Wo liegt darin noch der Unterschied? Hier wie dort sieht man Menschen im Müll herumwühlen. Dabei sind es auch in Deutschland keineswegs nur die Pfandflaschensammler, die die Mülleimer inspizieren. Immer mehr Menschen in Berlin oder Bremen, in Hamburg oder Frankfurt, suchen in den Mülleimern nach Essbarem.
Den Menschen, die um Geld betteln, ist kein Vorwurf zu machen. Sie kämpfen um ein besseres Leben. Ein Vorwurf ist der Politik zu machen, die es zugelassen hat, dass innerhalb weniger Jahre Szenen in Deutschland zum Alltag gehören, die man früher nur aus Schwellenländern oder Ländern der dritten Welt kannte.
Touristen aus China oder Japan sind besonders verwirrt, wenn sie in Deutschland angebettelt werden. So etwas haben sie im ach so reichen Deutschland nicht erwartet. Deutschland wird zum Schwellenland: Das ist der Eindruck, den man so bekommt.