Das trojanische Pferd von Dresden

Junge Freiheit

Am Freitagabend ist im Zentrum Dresdens die temporäre Skulptur „Das Trojanische Pferd“ eingeweiht worden. Hinter der Initiative „Die Kunst ist frei“ stehen 28 Dresdner, die in den zurückliegenden sechs Wochen an Feierabenden und am Wochenende ein fünf Meter hohes Monument zusammengefügt haben. In einer Mitteilung dazu heißt es: „Wir aber wollen gleichberechtigter Teil eines öffentlich geführten Diskurses sein. Wir wollen mitbestimmen und einer Entwicklung entschlossen entgegentreten, die unser Land, unsere Tradition und unsere Kultur zerstört!“

In seiner Eröffnungsrede nennt Mitinitiator René Jahn die Namen der Beteiligten und verliest zudem eine alphabetische Liste weiterer Unterstützer aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen und Milieus. Darüber hinaus hätten Viele zum Gelingen beigetragen, die ihren Namen nicht genannt wissen wollen weil sie dadurch Nachteile befürchten. Beinahe eine größere Herausforderung als einer halben Tonne Styropor mythische Gestalt aufzuprägen liegt in der Einhaltung der Ordnungsvorschriften. Standfestigkeit, Brandschutz, Absperrung, Beleuchtung und die Aufsicht sind zu gewährleisten.

Nachdem der graue Anstrich erst im Fahrtwind des Transportes trocknete, konnte im nachmittäglichem Sonnenschein das Pferd vor dem Kulturpalast montiert werden. Vor der Einweihung entlud sich ein Gewitter. Die durchs Wasser dunkelnde Oberfläche ließ den Koloss noch bedrohlicher wirken. Hunderte Gäste harrten geduldig über eine Stunde im strömenden Regen aus.

Dresdner bestaunten das„Trojanische Pferd“ während des Aufbaus Foto: JF

Für das Selbstbewußtsein der Initiatoren spricht, daß sie die „bildhafte Parallele zu unserer besorgniserregenden Gegenwart“ nicht kommentieren. Sie rücken das anschauliche Symbol jedermann vor die Augen. An der Brust des Pferdes prangt ein Schild mit der Aufschrift „Entworfen und hergestellt von Dresdner Bürgern 2018“. Der Stolz der Dresdner auf ihr besonderes Verhältnis zu Bildung und Kultur wurde in jüngster Zeit wiederholt gedemütigt. Kunstschaffende schwangen sich auf
öffentlichen Plätzen der Stadt zu Lehrmeistern ihres unfreiwilligen Publikums auf. Theater, Hochschulen und Museen zeigten Transparente mit Parolen auf ihren Fassaden.

Es gab Installation mit ausgerollten Gebetsteppichen vor der Frauenkirche. Der Neumarkt wurde von einem Rudel hitlergrüßender Wolfsmenschen verunziert und ausgerechnet am Jahrestag der Auslöschung Dresdens wurden dort senkrecht zwei Schrottbusse als Reminiszenz an ominöse Straßenschlachten in Syrien aufgestellt. Um
ungezogenen Bürger medienwirksame Vorhaltungen zu machen, war jedes Mittel recht. Dabei konnte auf die großzügige Unterstützung staatlicher und städtischer Kultureinrichtungen zurückgegriffen werden.

Nun bespielen die ästhetisch Gemaßregelten die Bühne ihrer Heimatstadt für vier Tage aus eigener Kraft. Unterstützung erhalten sie dabei von prominenten Rednern. Angelika Barbe wirkte als Bürgerrechtlerin in den achtziger Jahren im Pankower Friedenskreis mit und war zuletzt als Referentin der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung tätig. Der Psychologe Hans Joachim Maaz diagnostiziert in seiner Rede eine narzisstische Normokratie. Er sei hier, damit Menschen, die um ihre Würde ringen, nicht als Sündenböcke abgestempelt werden. Den Protest findet er ehrenhaft und bezeichnet Dresden als eine Heldenstadt.

Die weite Basis dieser Aktion symbolisiert sich in der Spanne zwischen den Redebeiträgen des hedonistischen Radio-Moderators Andreas Hofmann, alias DJ Happy Vibes, und dem katholischen Unternehmer Daniel Heimann. Während dieser Alexander Solschenizyn mit der Aufforderung zitiert, nicht länger mit einer Lüge zu leben, berichtete Hofmann, wie aufgrund politischer Denunziationen seine Erfolgssendung bei Radio Dresden unter Vorschützen falscher Behauptungen eingestellt wurde. Eine Erfahrung, die viele hier in jüngster Zeit machen mußten.

Alle Besucher hatten gemäß der Aufforderung auf das Mitbringen von Fahnen und Transparente verzichtet. Der vorbehaltlos die Migration verfechtende Verein Atticus versuchte sich vorab in einer Umdeutung der Aktion, indem er den Bauch des Pferdes einer rechtsnationalen Machtergreifung verdächtigte. An die Bilder der Antike heften sich seit Jahrhunderten die Empfindungen der jeweiligen Zeitgenossen. Unweigerlich wird sich das dringlichste Gefühl der Gegenwart durchsetzen.

Die Initiatoren des trojanischen Pferdes von Dresden erinnern: „Wie die Geschichte Trojas endete, ist jedem bekannt.“ Indem sie auf die Kraft des Symbols vertrauen, beweisen sie mehr künstlerischen Instinkt als ihre schulmeisternden Antipoden. Bis Montag Abend wird das Monument Tag und Nacht von ihnen bewacht werden. Passanten sind zum Gespräch eingeladen. Im Anschluß soll das Pferd auch in anderen Städten aufgestellt werden.

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