Tugend voran!

Es heißt ja immer gern, dass Entwicklungen in den USA mit einigen Jahren an Verspätung auch in Deutschland ankommen. Ein aktueller Fall in San Francisco lässt Schlimmes erahnen.

Im Fokus steht ein Gemälde in einer Schule. Der Maler Victor Arnautoff bekam 1936 einen Auftrag von einer staatlichen Agentur, die auf Staatskosten Projekte an Künstler verteilte, um diesen während der Great Depression ein Einkommen zu ermöglichen. Der damals noch in der Kunstszene unbekannte Arnautoff sollte in der George Washington High School ein Wandgemälde erstellen. Noch im selben Jahr beendete er sein Kunstwerk – und das Ergebnis war für den damaligen Zeitgeist sehr kontrovers und überraschend. Im Stil des Sozialistischen Realismus malte der Künstler die Gründungsväter. Die Pointe: Washington und die Anderen standen dabei auf einer Plantage, während bewaffnete US-Bürger über einem toten Indianer knieten. Dieses Motiv stand dabei im Fokus des Gemälde, nicht Washington selbst.

Ein sehr progressives Gemälde, möchte man doch meinen. Arnautoff wollte mit dem Werk auf die Versklavung hinweisen, zudem stellte er Washington im Kontext als Sklavenhalter da. In den 30er Jahren hatte sowas in den USA noch einen Hauch von Blasphemie, denn Washington gehört zu den Grundpfeilern der US-amerikanischen Identität und Geschichtserzählung. 1968 gesellten sich weitere in diesem Stil gemalte Kunstwerke in der Schule dazu, die zig Schüler in ihrer Schulzeit bestaunen konnten. Bis jetzt. Der Bildungsrat in San Francisco hat dafür gestimmt, all die Gemälde verschwinden zu lassen. Warum? Die dargestellten Szenen, vor allem im oben beschriebenen Gemälde, wären den Kindern unzumutbar. Man könne den jungen Menschen solche Gewalt und Rassismus nicht zeigen. “This is reparations” sagte eine Bildungsrätin, die dafür stimmte, für 600.000 USD all die Gemälde übermalen zu lassen.

Verrückt. Einst progressive Elemente sind den heutigen Linken verdächtig geworden. Dabei ist es egal, dass der Urheber ein waschechter Sozialist war und sicherlich keine rassistische Botschaft mit seinem Werk verbreiten wollte. Für die moderne Bilderstürmerei jedoch reicht jeder noch so kleine Hinweis auf “Rassismus”, um sich argumentativ Gehör zu verschaffen. Wie heißt es so schön? Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder. Dieser bedingte Relativismus hat dabei einen netten Nebeneffekt. Irgendein “progressiver” Künstler darf jetzt für 600.000 Dollar neue Gemälde malen, welche in einem Jahrhundert dann wohl auch wieder durch “neuere und progressivere” Kunstwerke ersetzen werden.

Wir können also gespannt sein, wann auch in Deutschland Führungspersonen und ihre Werke gewaltsam und mit Druck von ihren Plätzen verjagt werden. Wobei man sich nur schwer ausmalen kann, was nach der Kritischen Theorie und Co. kommen wird. Der Boden ist wohl noch nicht erreicht. Vielleicht ist das ja die permanente Weltrevolution, von der Trotzki sprach? Alle 50-100 Jahre säubern Linke ihren Altbestand, um mit modernen Werten neue Versuche zum Umbau der Gesellschaft zu starten.

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