Rechts und/oder Konservativ? Ein Versuch der Einteilung

Im heutigen Deutschland ist die politische Einteilung simpel – es gibt die Linke und die Mitte. Mutige Politiker und Denker erwähnen jedoch manchmal auch die Rechte, wobei diese von der Mehrheit immer kritisch beäugt wird. Rechte Politiker und Parteien stehen immer unter Faschismusverdacht, von dem sich auch Konservative nicht lösen können. Gibt es einen Unterschied zwischen rechts und konservativ? Oder sind es sogar einfach nur Synonyme für die gleiche Politik?

Für eine Antwort auf diese Frage muss zuerst geklärt werden, auf welcher Basis die aktuelle Politik steht. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Politik seit dem 20. Jahrhundert eher einem linken Grundverständnis folgt, da sie immer mehr der Masse zugänglich gemacht wurde und dadurch letztendlich nicht mehr ein Projekt der Eliten blieb. Dies war eine wichtige Entwicklung, denn die Rechts/Links-Einteilung basierte auf dem Grundriss der Sitzverteilung in der Nationalversammlung während und nach der französischen Revolution. Rechts saßen die Anhänger des Königs, welche die vorhandene Struktur verteidigen wollten. Sie waren also gegen die Vergesellschaftung der Politik, welche nur einer kleinen Gruppe (also ihnen selbst) zugänglich sein sollte. Im Laufe des 19. und 20. Jahrhundert mussten sich rechte Parteien und Politiker durch die weiteren Entwicklungen jedoch immer mehr von diesem Politikverständnis verabschieden, bis sie teilweise selbst den Aspekt der Politisierung der Massen übernahmen und darauf basierende Ideen entwarfen (z.B. den nationalen Sozialismus). Die heutige Links/Rechts-Politik basiert also auf anderen Prämissen als 1789. Der Historiker Karlheinz Weißmann hat die linke und rechte Politik in jeweils drei Gruppen eingeteilt.

Linke Politik kann vereinfacht in Anarchisten, Kommunisten und Sozialisten/Sozialdemokraten gegliedert werden. Alle drei Gruppen gehen von einer harmonischen Welt aus, die man durch den richtigen Weg erreichen könnte und auch kann. Dadurch haben sie eine genuin optimistische Denkweise. Daraus ergibt sich auch die Begeisterung für Fortschritt und die Aufklärung, welche den Menschen zur angestrebten Harmonie bringen soll. Letztendlich sind sie der Meinung, dass man die Welt sozialisieren kann.

Die Rechte kann man genauso in drei Gruppen einteilen: Völkische, Etatisten/Nationalisten und Konservative. Diese haben ein völlig gegensätzliches Verständnis von Politik. Rechte sehen Staat, Volk und Politik als einen Organismus, der durch Tradition und Geschichte legitimiert wird. Dieser Organismus, also Nation oder Volk, ist immer der Bezugspunkt der Rechten schlechthin. Teilweise sehen sie die Welt als eine feindliche Umgebung, in der Erziehung (dabei wird nicht das pädagogische Verständnis des Wortes gemeint) eine wichtige Rolle spielt.

Völkische gehen davon aus, dass sie in einem Status der Degeneration leben würden. Nach ihrer Sicht hätte das Volk in der Vergangenheit regelrecht in einem Paradies gelebt. Diesen Niedergang kann man durch eine Besinnung auf das Volk stoppen. Völkische sehen Angehörige des eigenen Volkes immer extrem positiv, während Fremde kritisch beäugt werden – ein Grund, warum Völkische im 20. Jahrhundert sozialdarwinistische Ideen schnell aufsogen. In Deutschland war die völkische Bewegung in ihren Anfangsjahren antistaatlich eingestellt, was sich jedoch nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg änderte. Das Volk steht im Fokus der Politik. Der Philosoph Bruno Bauch schrieb 1916 in der Zeitschrift Der Panther, einer Publikation des Alldeutschen Verbands:

Die Gemeinschaft des Blutes ist das einigende Band im natürlichen Bestande der Nation, und diese ist zunächst selbst ein natürlicher Gemeinschaftsverband, eine Naturgegebenheit. In der Hautfarbe, dem Gesichtsschnitt, dem Körperbau jedes Einzelnen prägte sie sich als sichtbarer Typus aus.

Etatisten/Nationalisten lieben den Staat, welcher die Basis für die Gesellschaft darstellt. Sie denken, dass die Natur ein feindlicher Ort wäre, den man durch Ordnung brechen könnte. Macht ist für sie der springende Punkt, denn nur durch diese könne man mit dem Staat die Natur formen und Ordnung errichten. Ein gutes Beispiel für diese Kategorie sind Napoleon und allgemein die Franzosen. Napoleon war ein Musterbeispiel für einen Machtmenschen, welcher über sein Kaiserreich rational herrschte und waltete. Der Staat steht über allem und ist der Sinn und Zweck der Politik.
Konservative haben ein ähnliches Verständnis vom Staat wie die Etatisten. Dieser soll laut ihnen nur durch seine Existenz die nötige Macht und Autorität besitzen. Das Stichwort hier ist aber die Tradition. Allein durch diese nähre sich der Staat und die Gesellschaft. Konservative sind Skeptiker und Traditionalisten. Sie gehen davon aus, dass ein Mensch immer nach Bindungen (zum Beispiel in einer Familie) streben würde und ein natürliches Verständnis für eine Gesellschaft besäße. Dieses Verständnis sei zum Teil auch durch die Geschichte, aber auch durch den Menschen selbst genährt. Konservative tendieren eher zur Mitte und haben gewisse Anschlusspunkte zu Liberalen. Dies kann aber auch dazu führen, dass Konservative zwischen zwei Stühlen sitzen.

Natürlich kann diese Einteilung nur grob sein, sie soll auch keineswegs einen wissenschaftliche Aussagekraft haben. Angesichts der oft beschworenen Deutungskette “konservativ = rechts = nationalsozialistisch” ist aber eine klärende Unterteilung der verschiedenen Gruppierungen wichtig, um die Unterschiede zwischen diesen zu verdeutlichen. Gruppen wie Liberale und Libertäre wurden hierbei natürlich außer Acht gelassen, da sie für die Gegenüberstellung “rechts-links” keinerlei Bedeutung besitzen.

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