Was treibt den Linken und den Rechten im Innersten an?

Die Linken werfen den Rechten irrationale Ängste vor, die Rechten bezeichnen die Linken abschätzig als Gutmenschen. Was aber steckt psychologisch hinter politischen Grundüberzeugungen? Welches Grundbedürfnis treibt viele Menschen unbewusst an, eine bestimmte politische Position zu beziehen? Zugegeben, die Welt ist nicht eindeutig in Schwarz und Weiß zu scheiden und auch nicht in Rechts oder Links. Dennoch kann es manchmal hilfreich sein, etwas zuzuspitzen, um dahinter liegende Faktoren zu erkennen.

Auf der Linken finden sich Bahnhofsklatscher und Bereicherungsenthusiasten, Sozialromantiker, ökonomische Utopisten, Minderheitenbeschützer, Menschenrechtsverfechter und neuerdings auch Klimabewegte. Der Linke will tugendhaft und vorbildlich sein. Er will wissen, dass er richtig handelt, im Sinne des Rests der Welt, zumindest des Teils der Welt, der seiner Meinung ist. Und seine Meinung hält er für die einzig legitime, für die Wahrheit. Deshalb muss er in Diskussionen immer Recht behalten und möchte sein Gegenüber ggf. bekehren. Da ist es kein Wunder, dass viele Linke gegenüber Andersdenkenden zu Selbstgerechtigkeit und Überheblichkeit neigen. Damit führt der Linke oftmals die Toleranz, die er stets vor sich herträgt, ad absurdum, ohne es zu bemerken. Das Eigene ist ihm prinzipiell suspekt. Der Linke überhöht den Fremden und das Opfer und möchte sich selbst am liebsten als Opfer feiern. Er erkennt nicht, dass die von jeglicher Unterdrückung befreite Welt, die er ersehnt, nur durch totale Diktatur möglich ist.

Der Rechte schaut auf die Welt und sein Land und sieht jene, die zu seiner Gruppe gehören und jene, die nicht dazu gehören. Für ihn sind Nationalität, Sprache, Religion, Traditionen und für viele auch der Lieblingssportverein Größen, anhand derer er sich selbst einordnet und die einordnet, die dazugehören. An Fremden hat er meist weniger Interesse, ist ihnen gegenüber skeptisch und neigt dazu, in ihnen Störenfriede und Schmarotzer zu sehen, die ihn tunlichst in Ruhe lassen und die Autorität seiner Bindungen nicht ankratzen sollen, indem sie ihre eigene Kultur mitbringen.

Kommen wir zu des Pudels Kern: Der Linke möchte im Grunde von allen geliebt werden. Deshalb schlägt er sich stets auf die Seite der wirklich und vermeintlich Unterdrückten, es sei denn, es handelt sich um eine Gruppe, die er als latent verbrecherisch einstuft, wie z.B. sein eigenes Volk und alle Privilegierten. Wenn er selbst zu dieser Gruppe gehört, steigert er sich gerne in selbstzerstörerische Ideen hinein. Für ihn gibt es nichts Größeres, als zu zelebrieren, wie tugendhaft und ausgebeutet er ist und wie schlecht es ihm geht, denn dann fliegen ihm die Herzen aller zu, die er für rechtschaffen hält.

Der Rechte möchte im Grunde Sicherheit, Ordnung, Frieden und Freiheit für sich selbst und für diejenigen, die ihm etwas bedeuten. Da zeigen sich zwei verschiedene Strömungen, die – abgesehen von der eher unbedeutenden Libertären Partei – nicht umsonst in den USA beide in der Republikanischen Partei beheimatet sind, obwohl sie sich in einigen Punkten reiben. Dem Konservativen sind Sicherheit und (innerer) Frieden ein Grundbedürfnis. Er ist bereit, dafür einen autoritären Staat hinzunehmen oder strebt sogar einen solchen an, was ihm mit dem Linken gemeinsam ist. Dem Libertären dagegen geht nichts über die Freiheit und Selbstverantwortung. Er misstraut dem linken wie dem konservativen Glauben an den starken Staat und träumt von Selbstverwaltung und Abschaffung der Steuern und der gesetzlichen Krankenversicherung. Der Rechte ist insgesamt eher pragmatisch und selbstgenügsam bis stoisch am libertären Ende des Spektrums.

Die politische Meinung ist viel mehr durch psychologische Grundbedürfnisse, die weitgehend im Unterbewussten liegen, bestimmt als durch eine rein rationale Auseinandersetzung mit politischen Programmen. Je nachdem, wie die Psyche fundamental gestrickt ist, welche Erfahrungen man in der Kindheit gemacht hat und was einem anerzogen wurde, neigt man zu dieser oder jener Überzeugung und vertraut sich dieser oder jener Weltanschauung, diesem oder jenen Glaubenssystem an. Verstehen wir die politische Landschaft auf diese Weise, sehen wir sie mit ganz anderen Augen.

Hat dir der Beitrag gefallen?

Spendier uns eine Kleinigkeit, um den Blog zu unterstützen:





5,00

Zahlungsmethode auswählen

Persönliche Informationen




Spendensumme:


€5,00

Bild: Pixabay