Musterbeispiel

Zwei junge Männer haben ein abscheuliches Verbrechen begangen. Sie haben eine junge schwangere Frau überfallen und aus reiner Mordlust brutal abgestochen. Einfach so.
Die Berichterstattung ausgerechnet in der als „Boulevard“ verschrienen „Bild“ zeigt aber, wie es geht und meiner Meinung nach immer gehen sollte: Als die beiden Täter vor Gericht kommen, finden sie in der Zeitung nicht nur die unverpixelten Bilder ihrer widerlichen Visagen sondern auch den vollen Klarnamen. Jeder auf der beschaulichen Insel Usedom (ein Ort, der alle Voraussetzungen mitbringt, um vom Klimawandel so richtig fett zu profitieren – also wunderschöne Sandstrände, schattige Naturcampingplätze, mondäne Strandwohnungen, geradezu langweilige Ruhe und bisher zu kühles Wetter) kennt jetzt ihre Namen:
Nicolas Knoop und Niko Göttlich.
Nicht „Alaa S.“ oder „Peter F.* (Name geändert)“ oder „ein Mann aus Eritrea“ sondern ganz konkret: diese „mutmaßlichen“ brutalen Mörder haben Namen und Gesichter und diese kann man nennen und zeigen.
Warum kann man über Deutsche berichten, über Nichtdeutsche jedoch nicht? Warum werden deren Namen nicht genannt, deren Bilder nicht unverpixelt gezeigt? Gibt es für Deutsche ein anderes Datenschutzgesetz als für Nichtdeutsche, oder gibt es eine redaktionelle Informationsschere? Wer führt diese, wer legt fest was genannt werden darf und was nicht?
Wenn es richtig ist, Namen und Bilder von Mördern und Gewalttätern zu nennen und zu zeigen, dann ist es im Umkehrschluss falsch, das bei einigen Mördern und Gewalttätern nicht zu tun. Und wenn es richtig sein sollte, warum auch immer, Name und Bilder zu verheimlichen, dann ist es eben falsch, diese bei einigen doch zu veröffentlichen.
Es kann nur eines richtig sein.
Diese Berichterstattung, wie sie hier vorliegt, mit Bild und Name der Täter und des Opfers, das ist für mich ein Musterbeispiel, wie es immer sein müsste. Warum es nicht immer so ist?
Diese Frage kann nur die Redaktion beantworten…