Niemand hat die Absicht Merkel in den Westen zu schicken

Gleich zwei überraschende Aussagen trafen den Wähler gegen langsames Ende der „Sauregurkenzeit“. Merkel habe einen feinen Sinn für Humor, konstatierte der US-Botschafter in Berlin. Gewiss. Nixon nannte Mao in den Fünfzigerjahren ein Monster. In den Siebzigerjahren war er etwas besser auf ihn zu sprechen. Schließlich galt es, China gegen die Sowjetunion und Vietnam auszuspielen. Franz Josef Strauß bezeichnete den Sozialismus als das zweite Haupt des Ungeheuers, welches sich neben dem Faschismus aus dem selben Sumpf erhebt. Honecker und Gorbatschow wurden dennoch mit ausgesuchter Höflichkeit behandelt. Schließlich ging es um das friedliche Ende des Kalten Krieges und die deutsche Wiedervereinigung.

Ein deutscher Redakteur lobte Merkels humorvolle Rhetorik. Ein AfD-Mitglied äußerte sich in der Fragerunde besorgt über den Zustand der Meinungsfreiheit in Deutschland. Antwort Merkels: Dass Sie hier in der ersten Reihe sitzen und dies unbeschadet verlautbaren können, beweist die Unrichtigkeit ihrer Befürchtungen. Gewiss. Hans-Georg Maaßen wird diesem Diktum vorbehaltlos zustimmen.

Dem Journalisten und Autor Alexander Kissler verdanken wir ein ebenso unterhaltsames wie informatives Buch über politische Phrasen. In einem Interview erklärte er: Merkel kann kein Deutsch. Dass der feine Sinn für Humor im Widerspruch zur Nichtbeherrschung der Muttersprache stünde, kann lediglich der Beobachter schlechten Willens behaupten.

Seinerzeit erklärte der DDR-Diktator Walter Ulbricht, dass niemand die Absicht habe eine Mauer zu bauen. Kurz darauf rückte die unterbeschäftigte Bauwirtschaft des Paradieses der Arbeiter und Bauern aus, um einen antifaschistischen Schutzwall zu errichten.

Von einem humoristischen Standpunkt aus betrachtet, war dies in etwa so witzig und unvorhersehbar wie das Ausrutschen auf einer bereitgestellten – Verzeihung: bereitgelegten – Bananenschale. Im Kindergarten sind die Lacher sicher: Wo ist das Krokodil? – Da, da! Da ist das Krokodil…

Möglicherweise mit ein Grund für die Überlegung, das Wahlalter auf 14 Lenze zu senken. Für derart plumpen Autoritarismus gibt sich Merkel nicht her. Ulbricht? Honecker? SED? DDR? Kindergarten! Siehe oben.

Jeder hat das Recht auf freie Meinungsäußerung. Die Regierung hat das Recht, jede geäußerte Meinung zu ignorieren. Jeder Wahlberechtigte hat das Recht, in Form freier und geheimer Wahlen seine Vertretung mitzubestimmen. Die Parteien haben das Recht, in Form freier und geheimer Absprachen Regierungen zu bilden, die sie selbst vertreten. Jeder hat das Recht, sich aus Medien zu informieren, welche keinerlei Zensur unterliegen. Jedes Medium hat das Recht, sich aus Regierungskreisen zu informieren, welchen keinerlei Beschränkungen auferlegt werden, steuerzahlerfinanzierte Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben.

Von einem humoristischen Standpunkt aus betrachtet, ist dies in etwa so witzig und unvorhersehbar wie die politische Landschaft Deutschlands 30 Jahre nach der Wende. Verursacht durch eine Ostdeutsche, die in der Union eine beispiellose Karriere durchlaufen hat. Da soll noch einer behaupten, die Historie habe keinen Sinn für Humor.

[Autor: G.B. Bild: www.wikipedia.org/Bundesarchiv, Bild 183-83911-000 Lizenz: CC BY-SA 3.0 de]

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