Gedanken am gefühlten Ende einer großen politischen Leistungsgeschichte

Als ich in die SPD eintrat, war ich 16 Jahre alt. Das Jahr zuvor hatte ich bereits bei den Jusos mitdiskutiert, meine ersten Plakate geklebt und das erste Mal in der Kneipe „Lessereck“ ein kurzes Referat zu den politischen Entwicklungen des letzten Monats gehalten. Das war 1989. Meine Partei hatte fast eine Million Mitglieder. Ich war glücklich und überzeugt. Das war meine Partei. Die Partei der kleinen Leute. Die Partei, die sich dafür einsetze, dass meine Familie, meine Eltern, meine Großeltern, die als Elektriker, Tischler, Postbeamte und Sekretärinnen arbeiteten, ordentlich und gut vertreten wurden. Im „Lessereck“ war der Ton ruppig, es wurde Holsten getrunken und gequarzt. Die Lampen hingen tief, das Licht war gelblich. Als Jusos trafen wir uns alle zwei Wochen im örtlichen Haus der Jugend und diskutierten angeregt über das Verhältnis von Realos und Stamokap. Ich plakatierte für Lafontaine und irgendwann gesellten sich noch Scharping und Schröder vor einem roten Hintergrund auf die Stellwände … ich empfand das Motiv als stark. Es war stark.

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