Welches Interesse hat Trump an Grönland?

Von Lucy Mai I Eine kuriose Meldung, die fast alle Nachrichtensender und Zeitungen dankbar aufgenommen haben: US-Medienberichten zufolge erwägt US-Präsident Trump, Grönland zu kaufen – ein autonomes Außengebiet Dänemarks. Prompt kamen Reaktionen aus Dänemark: Trump wurde von dänischen Politikern für verrückt erklärt. Lars Løkke Rasmussen, früherer Ministerpräsident Dänemarks, hielt es gar für einen Aprilscherz. Somit steht es in Frage, ob Grönland überhaupt zum Verkauf steht.

Doch was viele für Schwachsinn halten, ist gar nicht so abwegig. In Trumps Erwägungen spielen wohl auch ökonomische und strategische Überlegungen eine Rolle. Der Abbau von unter anderem Öl, Kohle, Zink, Kupfer, Uran, aber auch Sand ist zwar noch nicht ausgebaut, doch das Potenzial wäre vorhanden – Experten zu Folge könnte dies von Vorteil sein, wenn man nicht mehr so abhängig von den seltenen Erden aus China sein will. Aus sicherheitspolitischen Gründen ist Grönland schon seit Jahrzehnten von Bedeutung für die USA. Während des Zweiten Weltkriegs nutzte das US-Militär Grönland als vorgeschobene Basis, um eine mögliche Invasion durch Nazideutschland abzuwehren. Im Kalten Krieg war die größte Insel der Welt wegen seiner geostrategisch wichtigen Lage auf dem Weg in die Sowjetunion interessant. Die Militäranlage, die das Pentagon 1951 auf Grönland errichtete, ist heute noch aktiv. Die Amerikaner haben dort früher Atomwaffen, heute einen Teil ihres Raketenwarnsystems stationiert.

Es ist auch nichts Neues, dass die USA Länder kaufen. Als letztes erwarben die USA 1867 Alaska von Russland. Auch viele Gebiete im mittleren Westen wurden im 19. Jahrhundert von Frankreich gekauft. Diese Gebiete machen heutzutage ein Viertel des amerikanischen Staatsgebietes aus. Auch für Grönland lag schon 1946 ein Angebot vor. Präsident Truman bot damals 100 Millionen Dollar für die Insel.

Es bleibt jedoch stark anzuzweifeln, ob die USA wirklich ein Angebot vorlegen werden und ob Dänemark die Insel überhaupt verkaufen wird. Trumps Berater sprachen in den US-Medien ohnehin nur von einer „flüchtigen Faszination“.