Ditib: Jugendreise zu „Heerführer“ Erdoğan stößt auf Kritik

Junge Freiheit

KÖLN. Der Grünen-Politiker Volker Beck hat eine geplante Türkei-Rundreise des Moscheeverbandes Ditib als „nationalistische Staatspropaganda“ kritisiert. „Die Ditib agiert immer deutlicher wie ein trojanisches Pferd. Außen Religion, innen der türkische Staat und Erdoğan“, sagte Beck, der als Lehrbeauftragter am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien der Ruhr-Universität Bochum tätig ist, dem Kölner Stadt-Anzeiger. Die deutsche Politik dürfe davor nicht länger die Augen verschließen.

Die geplante Reise für junge Erwachsene findet demnach während der nordrhein-westfälischen Osterferien statt. Laut dem Programm ist das „Finale“ ein Besuch im Präsidentenpalast bei „unserem obersten Heerführer“ Recep Tayyip Erdoğan. Die Tour ist Teil des „Projekts Jugendbrücke“, das auf seiner Internetseite von einer immer engeren kulturellen und wirtschaftlichen Verflechtung Deutschlands und der Türkei spricht und den deutsch-türkischen Schüleraustausch intensivieren wolle. Kritiker werfen dem Projekt politische und ideologische Indoktrination vor.

Gebete für Militärsieg gegen Kurden

Die nun für 885 Euro angebotene Tour führt unter anderem auch in das heutige Canakkale. Die Entente-Mächte waren 1915 mit der Eroberung der türkischen Halbinsel Gallipoli gescheitert. Die Regierung Erdoğan interpretiert die Abwehr der Invasoren heute immer wieder zu einem Sieg des Islams über westliches Kreuzrittertum um, auch wenn rund zehn Prozent der osmanischen Armee keine Moslems waren.

Im Januar hatte die der Ditib vorgesetzte türkische Religionsbehörde Diyanet für Aufregung gesorgt, als sie dazu aufgerufen hatte, für einen Erfolg der türkischen Militäroffensive gegen die Kurden zu beten. Der Moschee-Verband wies die Vorwürfe zurück, wonach Imame auch in Deutschland dazu die 48. Sure („Al-Fath“, zu Deutsch „Der Sieg“) rezitiert haben sollen. (ls)

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