SprachpolitikGenderexpertin: Zuordnung nach Geschlecht ist diskriminierend

BERLIN. Die Genderwissenschaftlerin Lann Hornscheidt hat ein Ende der Geschlechterunterscheidungen in der Sprache gefordert. „Denn solange wir weiter an Geschlechterkategorien festhalten – egal wie viele es sind –, kann die damit zusammenhängende Diskriminierung nicht grundlegend überwunden werden“, sagte sie dem Tagesspiegel.

Die soziale Kategorie Geschlecht werde durch „Genderismus“ zementiert. „Genderismus umfaßt alle genderbezogenen Diskriminierungen. Schon jetzt fühlen sich viele Leute nicht mehr von den Bezeichnungen Frau, Mann oder divers angesprochen“, so die ehemalige Professorin für Gender Studies und Sprachanalyse an der Humboldt-Universität Berlin. Sie selbst verstehe sich weder als weiblich noch als männlich. „Mir ist es wichtig, daß mich andere als Menschen wahrnehmen und nicht sofort gendern.“

Bereits die Kategorie Gender sei Teil einer diskriminierenden Struktur. Laut Hornscheidt führe sie zur Übernahme von Rollenvorstellungen und Erwartungen. Das zu überwinden, ermögliche, Situationen und Handlungen neu zu bewerten.

Kategorien von Frau, Lesbe und Trans „durchprobiert“

Zwar sei der sogenannte Genderstern eine wichtige Übergangsform, doch Hornscheidt hoffe, es werde gelingen, neutrale Sprachformen zu finden, die alle Menschen meinten. „Eine Möglichkeit ist etwa, zu sagen, eine Person, die singt, oder eine Person, die läuft. Das würde uns auch vom Ballast der Gender-Identität in solchen Fällen befreien.“ Sie selbst habe die Kategorien von Frau, Lesbe, Trans und weitere „durchprobiert“ und bei allen ein Unwohlsein gespürt.

Hornscheidt lehnte ihren Geburtsnamen Antje ab und nahm stattdessen den Vornamen Lann an. Während ihrer Professur legte sie Wert darauf, geschlechtsneutral als „Professx“ angesprochen zu werden. (ag)

• Weiterlesen •