50 Jahre Mondlandung: Der Zenit der Menschheit

Von Air Türkis | Jede Hochkultur hat ihre Errungenschaften, die wir bis heute kennen und bestaunen. Die alten Ägypter bauten die Pyramiden, die Sumerer erfanden das Rad, und die Römer bauten Thermen, Brücken und Römerstraßen. Heute denkt man, alle unseren heutigen Errungenschaften wären selbstverständlich und durch nichts außer uns selber bedroht. Aber letztendlich ist auch der Westen nichts Anderes als eine Hochkultur umringt von Baberei und den Konstrukteuren eines neuen Mittelalters.

Entgegen etlichen Ländern, die einen Mond auf ihrer Flagge haben, sind die USA das Land, das seine Flagge auf dem Mond hat. Die Pyramiden von Gyzeh im 21. Jahrhundert: Das ist die Landung auf dem Mond, das unübertroffene Symbol westlicher Größe und der Stärke der Freiheit.

Nach Ende des 2. Weltkriegs erwirtschafteten die USA 50% des weltweiten Bruttosozialprodukts. Zwar war die Sowjetunion in der Anzahl der Bodentruppen im Folgenden überlegen, doch insgesamt schienen die USA vorne. In der Berlin-Blockade triumphierte man, im Korea-Krieg errang man einen Sieg (zwar mit bitterem Beigeschmack, aber einen Sieg). Zwar verfügte die UdSSR, seit sie 1953 erfolgreich eine Wasserstoffbombe gezündet hat, über eine gegenüber der USA gleichwertige Technologie in Bezug auf atomare Sprengköpfe, doch die USA konnten mit ihrer taktischen Bomberflotte die Sowjetunion deutlich besser erreichen als anders herum: der strategische Vorteil in der atomaren Aufrüstung lag also auf Seiten der USA. 

Doch mit einem Pieps sollte sich das schlagartig ändern. Im Oktober 1957 hatte der erste künstliche Erdsatellit die Erdumlaufbahn erreicht: Die Sputnik 1. Das zeigte nicht nur, dass die UdSSR raumfahrttechnisch die Nase vorn hatten, sondern vor allem auch, dass die Sowjetunion mit der R-7 eine Interkontinentalrakete besaß, die die USA erreichen konnte. Doch anders, als man es heute tun würde, war die Folge keineswegs, dass Aussenminister zur Mahnung aufriefen oder sich kollektiv auf den Boden warfen. Es folgte das große Comeback der freien Welt.

1958 gründete Präsident Eisenhower als Reaktion die NASA. Doch die Sowjetunion legte nach und brachte am 12. April 1961 mit Juri Gagarin den ersten Menschen ins All – wieder hatte der Westen das Nachsehen. Doch wieder begnügte man sich nicht damit, der Verlierer zu sein, gut einen Monat später trat John F. Kennedy vor den Kongress, gab dem bereits bestehenden Apollo-Programm seine legendäre Bestimmung und sagte:

„Ich glaube, dass dieses Land sich dem Ziel widmen sollte, noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn wieder sicher zur Erde zurückzubringen. Kein einziges Weltraumprojekt wird in dieser Zeitspanne die Menschheit mehr beeindrucken oder wichtiger für die Erforschung des entfernteren Weltraums sein; und keines wird so schwierig oder kostspielig zu erreichen sein“

In der Folge wurde das NASA-Budget auf fast 5% des US-Haushaltes vervierfacht und lag damit fast 10 mal so hoch wie heute. Zeitweilig arbeiteten 400.000 Menschen für das Apollo-Programm. 

Bei einem Test am Boden starben 3 Astronauten, Starts verzögerten sich, doch dann war es soweit: Am 16. Juli hob die Saturn V-Rakete, deren Nutzlast bis heute (nach immerhin 50 Jahren) unübertroffen ist, mit dem Apollo-Raumschiff, der Eagle-Landefähre und den 3 Astronauten Michael Collins, Buzz Aldrin und Nil Armstrong an Bord von Cape Canaveral vom Boden ab. 2940 Tonnen wog das Koloss beim Start – so schwer wie 9 vollbetankte Jumbo-Jets. Ein Objekt, welches sich in seinen Dimensionen unserer Vorstellungskraft entzieht. Mit 110 Metern knapp so hoch wie die größte der 3 Pyramiden von Gyzeh, höher als der Berliner Dom – senkrecht in den Himmel. Und nun stelle man sich vor, dieses gigantische Objekt hebt ab – langsam, aber stetig – und fliegt zur Erdumlaufbahn. Kein Wunder, dass sich so viele Verschwörungstheorien um die Mondlandung ranken. 

Nach 12 Minuten erreicht die Rakete den Erdorbit, wo sie 1 1/2 mal die Erde umkreist und Kurs auf den Mond nimmt. Schließlich löst sich das Raumschiff an der Spitze, drehte sich um 180 Grad und dockt wiederum an die darunter in der Rakete befindlichen Landefähre an. 

Es begann eine 76 stündige Reise durchs All. Dann koppelte sich die Landefähre mit den Astronauten Aldrin und Armstrong ab. Die Astronauten verfehlten die ursprünglich vorgesehene Landeposition, der Bordcomputer war überlastet und zeigte Fehlermeldungen. Der Autopilot steuerte die Fähre in ein Geröllfeld. Kein Wunder, damals funktionierten große Rechner noch mit Lochkarten, und der Taschenrechner war noch nicht erfunden. Nil Armstrong schaltete daraufhin auf manuelle Steuerung um, überflog den Krater und das Geröllfeld und landete sanft auf einer ebenen Fläche und vermeldete: „Houston, Tranquility Base here. The Eagle has landed!“. Wo das genau war, wusste man übrigens nicht. Der 3. Pilot, der im Raumschiff geblieben war, versuchte mehrere Stunden lang, die Landefähre auf dem Mond zu sichten.  

Etwa 6 Stunden später um 03:56 deutscher Zeit am 21. Juli 1969, heute vor 50 Jahren betrat Nil Armstrong als erster Mensch den Mond. Der riesige Sprung für die Menschheit vollzog sich mit diesem kleinen Schritt eines Sohns eines Rechnungsprüfers, der auf einer Farm im Nirgendwo in Ohio aufgewachsen war. 

Sein legendärer Satz entspricht der Wahrheit. Armstrong, die anderen Astronauten und die NASA bewältigten einen Riesen Sprung, der kaum möglich schien. Niemals zuvor und niemals danach wurde so eine technische Meisterleistung erbracht, nie mehr wurde so viel Zuversicht in technischen Fortschritt investiert. Es gibt kein besseres Symbol für Zukunftszuversicht oder dafür, dass der Mensch es aus eigener Kraft schaffen kann, eine bessere Zukunft möglich zu machen.  

Aus der Retrospektive war das der Höhepunkt der Menschheitsgeschichte, nichts, was danach kam, konnte Apollo 11 übertreffen. 

Heute herrscht nur noch Angst vor dem Menschen selbst. Dieser Tatendrang, diese Genialität, die zur Landung auf dem Mond führten, sind heute längst als das Böse schlechthin ausgemacht, als das, was unseren Planeten, unsere Umwelt und die Dritte Welt zerstört. Die Mondlandung selbst wird als ein Akt der reinen Geldverschwendung bezeichnet, man hätte das Geld schließlich in die 3. Welt spenden können. Aber erstens hätte es keiner gespendet, zweitens sehen wir ja, was alle bisherigen Spenden gebracht haben, und drittens kann man mit dem Argument schlichtweg alles in Frage stellen: Vom Besitz eines Iphones oder eines Auto bis hin zum Bau einer Brücke – könnte man alles besser nach Afrika spenden. 

Die Apollo-Mission war wichtig und nötig. Sie zeigte, dass die freie Welt immer noch in der Lage ist zu siegen. Sie wies die totalitäre  Sowjetunion in ihre Schranken und zeigte, was dem Menschen möglich ist. Und das alles geschah friedlich, ohne Blut zu vergießen. Eine Besinnung auf den Geist dieser Mondmission, auf den größten Aufbruch der Geschichte scheint überfällig. Damals zeigte man, dass dem Westen die Zukunft gehört. Heute scheint es, als würde dem totalitären China die Zukunft gehören, und tatsächlich treibt China eine Mondmission voran. 

Der Westen muss erst mal wieder technologisch da ankommen, wo er 1969 war.  Dann wäre es Zeit für den nächsten großen Schritt für die Menschheit! Der Mars wartet. 

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