Die gendergerechte Apollo-Mission

So sähe vielleicht die politisch korrekte Apollo-Mission aus.

Von MAX ROLAND | Das Jubiläum der Apollo-Mission. Zum ersten mal betritt ein Mensch einen anderen Himmelskörper – der 16. Juli 1969 war einer der wichtigsten Momente unserer Spezies, denn wir stießen das Tor zum Weltall ein bedeutendes Stück weiter auf. Als Neill Armstrong als erster Mensch den Mond betrat, erkannte er das und formulierte es in einem unsterblichen Satz: Ein großer Schritt für die Menschheit war getan.

Neill Armstrong ist inzwischen schon seit Jahren tot. Ebenfalls tot scheint das Bewusstsein der Amerikaner für das zu sein, was man dort eigentlich geleistet hat – als Nation und als Menschheit. Am 16. Juli startete die „Saturn V“, am 20. Juli setzte die Landefähre auf der Oberfläche des Mondes auf. Worüber schreiben nun, 50 Jahre danach, die amerikanischen Medien? Schauen wir in die „New York Times“ und die „Washington Post“, zwei der renommiertesten Zeitungen Amerikas. Die haben beschlossen, sie der Mondlandung zu widmen. Und das aus einer sehr irdischen Perspektive – und was dabei rumkam, ist unterirdisch. 

Die Times entschied sich, einen Artikel über den Sexismus im Raumfahrtprogramm zu veröffentlichen. „Um es zum Mond zu schaffen, müssen Frauen dem Sexismus der Erde entfliehen“, titelt man dort.  „If we do not acknowledge the gender bias of the early space program, it becomes difficult to move past it“ ist der zentrale Satz in einem Artikel, der sich gerade im Hinblick auf die menschliche Meisterleistung der Mondlandung nur als absolut Kleingeistig bezeichnen lässt. Eine Autorin lässt sich in bester Gender-Studies-Manier darüber aus, dass das Apollo-Programm auf „männliche Körper“ ausgelegt gewesen sein soll. Raumanzüge aus dieser Zeit wären für weibliche Körper ungeeignet und überhaupt sei alles auf Männer ausgelegt – auch die Temperierung an Bord der Space Shuttles. Ich werde den ganzen Artikel nicht wiedergeben, denn sonst, so befürchte ich, werde ich ausfallend. Deswegen schnell weiter zur „Washington Post“.  Auch die Post hat sich der Mondlandung gewidmet. Und ja, richtig geraten, auch die Schreiberlinge dieser Zeitung haben Sexismus zu beklagen. Da geht es unter anderem über schlimme sexistische Ausfälle wie „Mach mir mal nen Kaffee“ oder Diskriminierung in der Bezahlung. 

Irgendwie finde ich das bezeichnend. Es geht um das Jubiläum einer der größten Leistungen der Menschheit – und anstatt den Blick gestärkt davon nach vorne zu richten, analysiert man lieber die Vergangenheit und verschwendet seine Zeit mit absoluten Nicht-Problemen. Statt „50 Jahre Mond – wie kommen wir zum Mars?“ heißt es stattdessen: „Vor einem halben Jahrhundert begann die Mondmission: Zeit, einen riesigen Erfolg auf politische Korrektheit zu prüfen.“ Überhaupt, warum hieß das Programm „Apollo“? Warum hieß die Rakete „Saturn“? Das sind Männernamen! Und Saturn war ja auch noch ein alter, weißer Mann. Da muss aber dringend mal die Gleichstellungskommission ran. Das nächste Mondprogramm sollte dann im Namen der Gleichberechtigung „Anne Wizorek“ heißen. 

Mal abseits vom Zynismus: Die Raumfahrt war immer irgendwie eine Inspiration für mich. Umso alarmierender finde ich es, wie man ihr absolutes Symbol zum 50. Jubiläum nicht etwa als Ansporn sieht, sondern kritisch nachguckt, ob es denn auch dem Klein-Klein unserer intersektionell-feministischen Zeit gewachsen ist. Die „Progressiven“ gefährden den Fortschritt. Und Amerika muss verdammt aufpassen, nicht von genau diesen „Progressiven“ 2020 in den Abgrund gerissen zu werden.   Denn wenn diese Denke erstmal im Weißen Haus ankommt, ist es mit dem Kern des Westens für ein paar Jahre erstmal aus. Ich sehe im Jubiläum der Mondlandung das Jubiläum einer Sternstunde der Menschheit. Und da ist es mir egal, ob die Raumanzüge männlich genormt sind. 

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