Das Märchen von Ursel & Annekret

Wer statt mit Teletubbies mit den schönen deutschen Märchen aufgewachsen ist, den kann das Regierungsgewürge kaum noch schocken. Das „Heute Bäcker, morgen Brauer, alles kann Kramp-Karrenbauer“ kennen wir vom Rumpelstilzchen (Heute back’ ich, morgen brau’ ich). Und spätestens seit Merkel gilt für Regierungsämter eh die Devise „Eine(r) für alles, alles im Eimer“.   Auch andernorts greift diese Einstellung um sich. Es ist nicht mehr ausgeschlossen, dass die nächste Darmspiegelung von Fachkräften durchgeführt, das nächste Implantat von ebensolchen eingesetzt, die sich auch nur ein paar Tage in die Thematik, manche gar erst in die Sprache einarbeiteten. Und der Spiegel stellte einen notorischen Märchenerzähler als Reporter ein. Apropos: Geschmeidig muss der Lohnschreiber sein, geschmeidig und schnell. Mit den Worten „Niemand ist geeigneter für das Amt der EU-Kommissionspräsidentin als von der Leyen“ erfüllte der Bild-Chef seine Pflicht. Die Welt wollte wenigstens nicht unterschlagen, dass Uschi „in Berlin gescheitert“ ist, aber sie sei, schrieb die Autorin pflichtgemäß, „für Brüssel die Richtige“. Für die vielen Leser, die das Hosianna nicht auf Anhieb mitrufen wollten, stand über den Kommentaren der klare Hinweis: „Kurze Durchsage: Wer Ursula von der Leyen beleidigt oder diffamiert, wird gesperrt.“ Unsere regierungsnahen Medien sind sich einig, die unsägliche Ursula sei die beste Europäerin überhaupt für ihr neues Amt, ihr Deutschsein würde sie bestimmt an der Brüsseler Garderobe abgeben, und außerdem sei als Frau per se überqualifiziert. Dabei kämen unsere regierungsnahen Medien nicht im Traum darauf, dass sie regierungsnah sein könnten. Denn dieses in der Tat dem wahren Journalismus abträgliche Attribut haben sie für die in ihren Augen […]

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