Karl Lauterbach will SPD-Chef werden

Von MAX ROLAND | Würde man das Rennen um den SPD-Parteivorsitz mit Fußball vergleichen wollen, würde mir allerhöchstens die dritte Bundesliga einfallen. Damit will ich ja jetzt wirklich niemanden angreifen – aber sagen wir mal, die bisherigen Kandidaten kamen allerhöchstens aus der zweiten Reihe der Partei.

Aber jetzt kommt Championsleauge. Denn niemand geringeres als Karl Lauterbach hat nun angekündigt, für den Parteivorsitz kandidieren zu wollen. Der Bundestagsabgeordnete ist nicht nur Gesundheitsexperte und Fliegenträger, sondern auch einer, „der noch selbst twittert“. Wie bei seinem Kollegen Kahrs ist das vielleicht nicht das klügste, was er tut. 

Aber trotzdem will Karl Lauterbach SPD-Chef werden, gemeinsam mit einer Umwelt-Expertin aus seiner Fraktion. Und ich finde: Besser geht’s nicht. Wer wäre denn besser als Gesicht einer Arbeiterpartei geeignet als ein dünner Professor-Doktor mit Fliege und Brille? Nicht viele, finde ich.

Okay, sorry, das war jetzt irgendwie unpassend. Warum bin ich schon wieder so sarkastisch? Auch die SPD muss mit der Zeit gehen. Und da die Arbeiter nicht nur nicht mehr SPD, sondern mit relativer Mehrheit sogar die böse AfD wählen, wäre ein Imagewechsel vielleicht angepasst. Die AfD war ja mal die Professorenpartei – das wird jetzt die SPD, während die AfD mit Fug und Recht beanspruchen kann, die bei den Arbeitern beliebteste Partei zu sein. Politischer Gegenteiltag. Apropos AfD: Gegen die teilt Lauterbach auch gerne aus, auch nicht wirklich Niveau-oder Anspruchsvoll. Als AfD-Fraktionschefin Weidel sich gegen Enteignungen aussprach, frage Karl Lauterbach einfach, wer denn die Juden enteignet hätte. Bäm, so sieht ein astreiner argumentativer Sieg aus. Du darfst gar nix sagen, denn du bist Nazi. Und die Nazis haben auch enteignet – also ist es kein Problem, wenn wir das jetzt auch tun. Also sind Nazi-Methoden gut? Aber dann sind die angeblichen Nazis der AfD ja auch kein Problem. Mhhm. Vielleicht mal die Fliege lockern, Herr Lauterbach, dann nochmal nachdenken.

Naja. Herr Lauterbach ist es vielleicht nicht, wenn es um euren Vorsitz geht, liebe SPD. Falls ihr aber trotzdem einen Doktor mit Brille wollt, der den Job macht – ruft doch Thilo Sarrazin an! Dann würde ich euch auch wählen – und mit Herrn Sarrazin hättet ihr bestimmt mehr Chancen als mit Herrn Lauterbach. Aber vielleicht passt der fliegentragende Twitter-Pöbler ja doch ganz gut: Denn wenn ihr so weiter macht, Genossen, macht ihr – um den obligatorischen Witz einzubringen – sowieso bald die Fliege.

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