Kölner Polizei verteidigt sich gegen Kritik des Integrationsrats

KÖLN. Die Kölner Polizei hat die Kritik des Integrationsrates der Domstadt wegen des Einsatzes gegen Moslems zurückgewiesen. Vor zwei Wochen hatten Sicherheitskräfte im Kölner Hauptbahnhof mehrere Männer vorübergehend festgenommen, da sie Allahu-Akbar-rufend in langen Gewändern in das Gebäude gerannt waren. „Wir würden definitiv wieder so handeln“, sagte der Leiter der Polizeiinspektion 1, Michael Tiemann, laut Kölner Stadtanzeiger.

Vor dem Gremium aus Parteien und Migrantenorganisationen schilderte Tiemann den Polizeieinsatz. So habe die Polizei nach dem Hinweis eines Bürgers eine Gefahrensituation nicht ausschließen können. Daher seien 20 in der Nähe befindliche Beamte zusammengezogen und zum Bahnhof geschickt worden. Dort habe ein Polizist die Moslems mit vorgehaltener Waffe aufgehalten und aufgefordert, sich auf den Boden zu legen. Eine Kontrolle ergab keine Verdachtsmomente.

Zwar äußerte der stellvertretende Vorsitzende des Integrationsrats, Ahmed Edis, durchaus Verständnis für den Einsatz. Jedoch sei die Wirkung auf Moslems verheerend. „Die denken sich: Mit uns kann man es ja machen und mich hätte es auch treffen können.“ Er erinnerte in dem Zusammenhang an den Anschlag in der Kölner Keupstraße, der dem NSU zugerechnet wird. So könne bei Moslems der Eindruck entstehen: „Wenn es um rechte Gewalt geht, reagiert man nicht so schnell, bei Muslimen ist man sofort zur Stelle.“

Integrationsrat spricht von „Stigmatisierung“

Weitere Mitglieder des Integrationsrats kritisierten das Verhalten der Polizei ebenfalls. Eli Abeke bezeichnete das Vorgehen als „Racial Profiling“ und „Stigmatisierung“. Hätte jemand „Heil Hitler“ gerufen, wäre der Einsatz wohl anders verlaufen. „So was würde man bei Bio-Deutschen nicht machen“, beklagte das Stadtratsmitglied Marion Heuser (Grüne).

Der CDU-Ratsherr Martin Erkelenz nahm die Polizisten in Schutz. „Es war ein angemessener Einsatz.“ Die überprüften Männer hätten sich darüber klar sein müssen, daß der Hauptbahnhof und der benachbarte Dom hochsensible Punkte seien.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hatte nach dem Vorfall von der Polizei eine bessere kulturelle Schulung verlangt. Er hoffe, die Behörde entschuldige sich bei den Betroffenen. (ag)

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